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Zwischen Überlastung und Aufbruch Cornelsen Schulleitungsstudie 2026: Zwischen Überlastung und Aufbruch

Studie
Dr. rer. oec. Dieter DohmenMatthias SandauProf. Dr. Klaus Hurrelmann
Cornelsen Schulleitungsstudie 2026: Zwischen Überlastung und Aufbruch

Cornelsen Schulleitungsstudie 2026: Zwischen Überlastung und Aufbruch

Studie

Erscheinungsdatum:

Zwischen Überlastung und Aufbruch – Cornelsen Schulleitungsstudie 2026

Zur Gesamtstudie (PDF, 115 Seiten) · Zur Kurzfassung auf cornelsen.de

Für die vierte Welle der Cornelsen Schulleitungsstudie haben im Frühjahr 2026 insgesamt 2.066 Schulleitungen aus allen 16 Ländern den Onlinefragebogen beantwortet, davon 1.819 an allgemeinbildenden und 247 an beruflichen Schulen; ergänzt wird die Befragung durch 16 leitfadengestützte Interviews. Nach „Schule zukunftsfähig machen“ (2022), „Schule stärken, Digitalisierung gestalten“ (2023) und „Zwischen Vision und Rebellion“ (2025) steht die vierte Welle im Zeichen der großen Programme, also des Startchancen-Programms, des Rechtsanspruchs auf Ganztagsförderung, des Digitalpakts 2.0 und der datengestützten Schulentwicklung. Im Vordergrund steht damit weniger die Frage, welche Reformen nötig wären, als die Frage, ob die längst beschlossenen Programme unter den gegebenen Bedingungen gelingen können. Allein für die Jahre 2024 bis 2026 verzeichnet der Nationale Bildungsbericht 360 Maßnahmen von Ländern und Bund, die auf den Abbau herkunftsbedingter Bildungsungleichheit zielen.

Belastung als Zeit- und Ressourcenproblem. 94 % der Schulleitungen erleben stetig wachsende Aufgaben ohne ausreichende Entlastung, 83 % fühlen sich durch bürokratische Hürden ausgebremst, und nur jede achte (12,5 %) sieht bei sich ausreichend Zeit für die Umsetzung zentraler Themen. Pro Kopf über alle Tätigkeitsbereiche gerechnet, arbeiten die Leitungen allgemeinbildender Schulen 48,5 und die beruflicher Schulen 47,6 Stunden in der Woche; an allgemeinbildenden Schulen ist dieser Wert seit 2023 nahezu unverändert. Allein auf die Verwaltung entfallen bei 56,8 % der Leitungen allgemeinbildender Schulen mehr als zehn, bei 34,2 % mehr als fünfzehn Wochenstunden, an beruflichen Schulen liegen die Anteile mit 60,7 bzw. 43,4 % noch höher.

Die Programme addieren sich. Wie hoch die Belastung ausfällt, hängt vor allem davon ab, wie viele Programme eine Schule gleichzeitig umsetzt. Grundschulen, die am Startchancen-Programm teilnehmen und zugleich ihr Angebot für den Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung anpassen müssen, kommen auf 52,3 statt 45,1 Wochenstunden, und der Anteil der Grundschulleitungen mit ausreichend Zeit sinkt von 13,8 % ohne diese Programme über 7,9 % bei einem auf 6,3 % bei beiden. Der Anteil der Verwaltung an der Arbeitszeit bleibt dabei bei knapp einem Viertel; stärker wachsen Schulentwicklung, Personalmanagement und die Lösung von Konflikten.

Große Zustimmung, gedämpfte Erwartungen. Unter den Grundschulen mit Anpassungsbedarf beim Rechtsanspruch sehen 85,5 % der Schulleitungen den Ganztag vor allem als Betreuungs- und kaum als Bildungsangebot, und 20 % halten im gegebenen Rahmen eine qualitativ hochwertige Ganztagsbildung für möglich. Das Startchancen-Programm halten 93 % der allgemeinbildenden und 82 % der beruflichen Programmschulen grundsätzlich für sinnvoll, während gut ein Drittel der allgemeinbildenden Programmschulen (36,3 %) erwartet, dass das zentrale Ziel, die Halbierung des Anteils der Kinder unterhalb der Mindeststandards, an der eigenen Schule zumindest in weiten Teilen erreicht wird. Beim Digitalpakt 2.0 planen 72 % der Schulen einen Antrag, vor allem für Endgeräte, digitale Lehr- und Lernmittel und Infrastruktur; den größten Entwicklungsbedarf sehen die Schulleitungen allerdings bei der nachhaltigen Finanzierung (78 %) und der Fortbildung (71 %) und deutlich seltener bei der Ausstattung (45 %).

Künstliche Intelligenz gewinnt rasch an Gewicht. An allgemeinbildenden Schulen hat sich die Nennung von KI als einem der fünf wichtigsten Schulleitungsthemen binnen anderthalb Jahren von 12,4 auf 24,7 % verdoppelt, an Gymnasien liegt sie bei 62,2 %. An beruflichen Schulen ist KI mit einem Anstieg von 29 auf 51 % inzwischen das wichtigste Thema. Fast alle Schulleitungen (99 %) verlangen eine medienkritische Begleitung, 87 % sehen einen konkreten Nutzen für die Unterrichtsvorbereitung, an mehr Chancengerechtigkeit durch KI glauben 30 %.

Druck auf die demokratische Schulkultur. An allgemeinbildenden Schulen wird die demokratische Schulkultur vor allem durch Eltern erschwert, die demokratische Werte nicht mittragen (53,4 %), durch fehlenden politischen Rückhalt (51,5 %) und durch gesellschaftliche Spannungen (43,9 %). In den ländlichen Regionen Ostdeutschlands berichten 66 % der Schulleitungen von solchen Eltern, gegenüber 51 bis 53 % in den übrigen Gebieten, und 49 % nehmen dort zunehmenden Rechtsextremismus wahr, in Westdeutschland 25 bis 26 %.

Klare Zielbilder, große Umsetzungslücke. Einer im Sozialraum vernetzten Schule (96 %), reduzierter Bürokratie (96 %) und multiprofessionellen Teams (93 %) stimmen fast alle Schulleitungen zu. Die fast einhellig gewünschte Entbürokratisierung ist allerdings an 3 % der Schulen realisiert. Ganz oben auf der Wunschliste stehen mehr Zeit und Bürokratieabbau mit jeweils 97 %.

Was die Unterschiede zwischen Schulen erklärt. In den multivariaten Analysen verlieren Lage, Region und Programmstatus weitgehend ihre eigenständige Erklärungskraft für Zufriedenheit und Zuversicht, sobald das Belastungsniveau und allen voran der Personalmangel berücksichtigt werden; einzig in Berlin bleibt die Zuversicht etwas höher. Der Steuerungshebel läge damit in der Entlastung der am stärksten belasteten Schulen, unabhängig davon, wo sie liegen. Knapp 40 % der Schulleitungen sind derzeit (sehr oder eher) zufrieden, an beruflichen Schulen 56,1 %, an allgemeinbildenden 37,5 %. Mit Blick auf die Weiterentwicklung der eigenen Schule sind 47,9 % der Leitungen allgemeinbildender und 56,2 % der Leitungen beruflicher Schulen zuversichtlich, jeweils etwas mehr als in der Vorstudie.

Hinweis zur Belastbarkeit: Die Angaben der allgemeinbildenden Schulen sind für diese insgesamt repräsentativ, die der beruflichen Schulen eingeschränkt.

Zur Gesamtstudie Dieter Dohmen, Hannah Glinka, Matthias Sandau, Stephanie Paul, Amr Samy, Klaus Hurrelmann: Zwischen Überlastung und Aufbruch – Cornelsen Schulleitungsstudie 2026. Gesamtstudie, FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin, 2026.

Zur Kurzfassung FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie im Auftrag der Cornelsen Verlag GmbH: Zwischen Überlastung und Aufbruch – Cornelsen Schulleitungsstudie 2026. Kurzfassung, Cornelsen Verlag GmbH, Berlin, 2026. Beide Fassungen und weitere Materialien finden sich auf www.cornelsen.de/schulleitungsstudie.

Die Studie wurde vom FiBS unter Beteiligung von Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Senior Expert am FiBS, im Auftrag des Cornelsen Verlags durchgeführt.