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Presse

Fördermittel für Weiterbildung erreichen nur eine Minderheit

Trotz der steigenden Bedeutung beruflicher Weiterbildung erreichen öffentliche Fördermittel nur sehr wenig Personen. Eine aktuelle Studie des FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie ergab, dass weniger als 2 Prozent aller Erwerbspersonen zur Finanzierung einer Weiterbildung eine finanzielle Unterstützung vom Bund oder von den Ländern in Anspruch nehmen. Bezogen auf die 52 Prozent der Erwachsenen, die an Weiterbildung teilnehmen, sind es 3,4 Prozent. Dabei zeigen sich große Unterschiede zwischen den Bundesländern, sowohl hinsichtlich der Weiterbildungsbeteiligung als auch der Verbreitung der Förderinstrumente.

Insgesamt erhielten im Jahr 2017 etwas mehr als 750.000 Personen eine Förderung für ihre Weiterbildung aus bundesweiten Förderinstrumenten. Hinzu kommen knapp 10.000 Förderungen der Länder für Privatpersonen in Form von Bildungsschecks. In Relation zu den insg. 43 Millionen Erwerbspersonen entspricht dies 1,8 Förderungen je 100 Erwerbspersonen. Mehr als 90 Prozent aller personenbezogenen Förderungen zur beruflichen Weiterbildung entfallen dabei auf Instrumente der Bundesagentur für Arbeit, das Aufstiegs-BAföG und das BAföG, soweit letzteres für Bildungsmaßnahmen genutzt wird, die eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen. Vergleichsweise gut unterstützt werden abschlussorientierte Weiterbildungsmaßnahmen.

Die Zahl der Förderungen durch die Bundesagentur für Arbeit schwankte zwischen 2012 und 2017 konstant zwischen 465.000 und 483.000 jährlich, das sind jedoch deutlich weniger als noch im Jahr 2009, bedingt durch die hohe Förderintensität infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise. Das Aufstiegs-BAföG beziehen seit 2010 konstant zwischen 162.00 und 172.000 Personen. Deutlich zurückgegangen ist dagegen der Anteil der Schüler/innen, die BAföG für eine Maßnahme beziehen, die eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt: Lag deren Zahl 2010 noch bei rund 122.000, reduzierte sie sich bis 2017 auf knapp 75.000. Andere Förderprogramme, die sich direkt an Individuen richten, spielen nur eine untergeordnete Rolle. „Auch wenn die öffentlichen Weiterbildungsausgaben seit 2015 leicht gestiegen sind, ist die Zahl der Förderfälle über die letzten zehn Jahre hinweg tendenziell eher abnehmend.“ so Dr. Michael Cordes, Projektleiter im FiBS. „Ergänzend zu zielgruppenbezogenen Förderungen mangelt es an breitenwirksamen Instrumenten. Um die Weiterbildungsbeteiligung zu erhöhen, muss der finanzielle Zugang zu einer Förderung erleichtert werden.“

Während nur relativ wenige Personen eine öffentliche Zuschussförderung bekommen, nutzen weitaus mehr Personen steuerliche Regelungen zur Ko-Finanzierung ihrer privaten Weiterbildungsausgaben: Das FiBS schätzt die Zahl derer, die ihre Fortbildungskosten im Rahmen der Einkommensteuer angeben, auf knapp 2 Millionen. Allerdings profitieren gerade Personen mit hohen Einkommen aufgrund ihres höheren Steuersatzes stärker als Personen mit geringem Einkommen von der steuerlichen Anrechenbarkeit. Geringverdiener sind hier im Nachteil.

Auffällig sind weiterhin große Differenzen zwischen den Bundesländern. Diese zeigen sich in der Weiterbildungsquote, die laut Mikrozensus im Jahr 2016 bei den 25 bis 64-Jährigen zwischen 21 Prozent in Baden-Württemberg und 13 Prozent im Saarland lag. Auch werden die zur Verfügung stehenden Finanzierungsinstrumente sehr unterschiedlich genutzt. So erhalten in Berlin, das zu den Ländern mit der geringsten Weiterbildungsbeteiligung zählt, relativ gesehen mehr als doppelt so viele Personen eine Weiterbildungsförderung wie in Baden-Württemberg, das in der Regel die höchsten Beteiligungsquote aller Länder hat. Zurückzuführen ist dieser Unterschied auf die je nach Arbeitslosenquote unterschiedlich intensive Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit. Dagegen ist das Aufstiegs-BAföG besonders in Bayern, dem Saarland, Baden-Württemberg und Niedersachsen verhältnismäßig stark verbreitet und das Schüler/innen-BAföG für Weiterbildungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.
„Die Ergebnisse zeigen, dass die öffentliche Weiterbildungsfinanzierung eine untergeordnete Rolle für die Weiterbildungsbeteiligung hat“, konstatiert Dr. Dieter Dohmen. Der Fokus liegt auf formalen Weiterbildungen, die kostenintensiv sind und oft in Vollzeit durchgeführt werden. Für kürzere Maßnahmen, die meist auch nicht ganz so teuer sind, gibt es hingegen nur selten Förderung, sieht man einmal von der Einkommensteuer ab. „Da die steuerliche Entlastung aber mit dem Einkommen ansteigt,“ fordert Dohmen „eine komplementäre Zuschussförderung für diejenigen, die ein geringes Einkommen haben. Solange das nicht erfüllt ist, steigt die Weiterbildung mit Einkommen und Bildung und zementiert die bestehende und oft beklagte Ungleichverteilung.“


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Die Ergebnisse der Studie „Verbreitung öffentlicher Förderinstrumente in Deutschland und der Blick in die Länder“ von Michael Cordes und Dieter Dohmen wurden heute in der Reihe „FiBS-Forum“ veröffentlicht. Der Beitrag kann hier heruntergeladen werden.

Die veröffentlichte Studie ist Teil des vom FiBS durchgeführten Projekts „Volks- und regionalwirtschaftliche Kosten, Effekte und Finanzierung der Weiterbildung“. Das Projekt wird im Rahmen des Förderschwerpunkts „Innovative Ansätze zukunftsorientierter beruflicher Weiterbildung“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF gefördert.

Das FiBS ist eine private, interdisziplinäre Forschungs- und Beratungseinrichtung sowie ein führender Think Tank zum Thema Bildungsfinanzierung in Deutschland und Europa.

Kontakt:> Dr. Dieter Dohmen, FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin: d.dohmen@fibs.eu, 030/8471223-0 oder 0172/2676825
Dr. Michael Cordes, FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin: m.cordes@fibs.eu, 030/8471223-0

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Wachsender Erzieher- und Lehrkräftemangel in Berlin gefährdet Leistungsniveau der Schüler und Wirtschaftsaufschwung

Berlin muss in den kommenden gut zehn Jahren bis zu 35.000 Lehrkräfte und 20.000 Erzieher/innen ausbilden und einstellen, da die Bevölkerung in Berlin voraussichtlich auf 4,1 Millionen im Jahr 2030 steigt. Entsprechend steigt die Zahl der Kinder im Kita-, Schul- und Hochschulalter um 300.000 auf insgesamt 1,1 Millionen. Dies geht einher mit einem stark wachsenden Bedarf an Erzieher/innen und Lehrkräften. Da jedoch die Schulverwaltung bereits bei deutlich geringeren Kinder- und Schülerzahlen von einem beträchtlichen Mangel an Erzieher/innen und Lehrkräften ausgeht, , bedeutet die FiBS-Prognose, dass sich der Mangel noch einmal dramatisch verschärft.

Das sind die Kernergebnisse einer heute veröffentlichten, unabhängigen und eigenständigen Prognose des FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie zur Entwicklung der Bevölkerung und der Bildungsbeteiligung in Berlin bis zum Jahr 2030.

Im Einzelnen steigt die Zahl der Kinder im Kita-Alter um 40.000 auf 255.000, die der Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen um 140.000 auf 482.000 und an Berufsschulen um über 30.000 auf 122.000. Demgegenüber geht die Berliner Schulverwaltung von einem Anstieg auf 440.000 Schüler an allgemein- und 109.000 an berufsbildenden Schulen aus. Bei den null- bis fünfjährigen Kindern geht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen von einem Rückgang auf etwa 200.000 Kinder aus. Die FiBS-Prognose kommt somit in allen Bildungsbereichen zu deutlich höheren Zahlen als der Berliner Senat.

Dieser Anstieg führt zu einem Einstellungsbedarf von über 12.000 zusätzlichen Lehrkräften an allgemeinbildenden Schulen gegenüber der heutigen Zahl. Unter Berücksichtigung der altersbedingt sowie vorzeitig ausscheidenden Lehrerinnen und Lehrer ergibt sich ein Einstellungsbedarf von mindestens 32.500 Personen, sofern die Zahl der abwandernden oder vorzeitig wegen Berufsunfähigkeit aus dem Dienst ausscheidenden Lehrkräfte nicht weiter ansteigt. Allein zwischen 2014 und 2016 zeigt sich hier eine Verdopplung und es schieden zuletzt fast so viele Lehrkräfte wegen Berufsunfähigkeit vorzeitig aus dem Dienst aus, wie in Pension gingen.
Auch an den Berufsschulen zeigt sich ein Mehrbedarf von über zehn Prozent gegenüber der Prognose der Senatsschulverwaltung. Bei einem von dieser erwarteten Mangel von 2.160 bedeutet das einen weiteren Anstieg des Mangels auf etwa 2.500.

Schwieriger vorherzusagen ist der zusätzliche Bedarf an Fachkräften für den Kita-Bereich: hier fehlen derzeit bereits rund 1.500 Kräfte, um allein die Versorgung der ca. 9.000 genehmigten, aber unbelegten Kita-Plätze gewährleisten zu können. Darüber hinaus hängt der Einstellungsbedarf davon ab, wie viele Kinder zusätzlich aufgenommen werden sollen, d.h. wie hoch die Betreuungsquoten werden sollen. Allein um die derzeitigen Betreuungsquoten aufrechtzuerhalten, müssen bis 2030 mindestens 40.000 Plätze geschaffen werden, wofür ca. 8.000 zusätzliche Fachkräfte ausgebildet werden müssten. Unter Berücksichtigung der altersbedingt oder vorzeitig ausscheidenden beläuft sich der gesamte Ausbildungsbedarf auf mindestens 15.000, unter Umständen können es auch bis zu 20.000 werden, wenn die Betreuungsquote für die unter Dreijährigen auf 60 Prozent erhöht werden soll.

„Der Lehrkräftemangel an den Berliner Schulen wird dramatisch sein, wenn die Politik nicht kurzfristig und entschlossen gegensteuert,“ fasst Dr. Dieter Dohmen, der Direktor des FiBS und neue Leiter der Initiative Bildung der Stiftung Zukunft Berlin, die Ergebnisse zusammen. „Alleine in den Klassen 1 bis 10 werden an die 20.000 Lehrkräfte fehlen, wenn weiterhin so viele Lehrer wegen Berufsunfähigkeit vorzeitig ausscheiden, wie zuletzt. Dies ist etwa ein Drittel mehr als die Berliner Schulverwaltung erwartet.“ Bei allen Zahlen ist zudem zu berücksichtigten, dass die Zahlen der Senatsschulverwaltung zum Lehrkräfteangebot davon ausgehen, dass alle, die ein Lehramtsstudium erfolgreich abschließen, hinterher auch Lehrer an einer Berliner Schule werden. Dies ist aber erfahrungsgemäß nicht der Fall und gilt umso mehr, als auch alle anderen Bundesländer zu wenig Lehrer für die Grundschulen und die Sekundarstufe I ausbilden. „Hier werden sich die Lehrer die besten Stellen deutschlandweit aussuchen können," hält Dohmen fest. „Diese Situation wird zu einer Gefahr für das Bildungsniveau kommender Jahrgänge und zwar nicht nur in Berlin, sondern bundesweit. In Berlin ist die Lage aber besonders problematisch, da das Leistungsniveau der Schüler bundesweit am unteren Ende liegt.“

Im Bereich der Hochschulen ist mit einem weiteren Anstieg der Studienanfängerzahlen auf bis zu 42.000 zu rechnen. „Das sind noch einmal 20 Prozent mehr als derzeit ein Studium aufnehmen,“ sagt Dohmen. „Dabei kommt über die Hälfte der Erstsemester aus anderen Bundesländern oder dem Ausland. Dies zeigt, wie attraktiv die Berliner Hochschulen sind.“

„Im Ergebnis ist festzuhalten,“ sagt der FiBS-Direktor, „dass das Berliner Schulsystem zur Achillesferse für die Wirtschaft werden kann, wenn nicht schnellstmöglich und umfassend gegengesteuert wird. Vor diesem Hintergrund hoffe ich, dass unser Szenario nie Realität werden wird, sondern einen weiteren Anstoß gibt, dass der Senat nunmehr entschlossen handelt und die notwendigen Maßnahmen ergreift. Hierzu müssen nicht nur die Ausbildungskapazitäten der Berliner Universitäten gerade für Grund- und Sekundarschullehrer drastisch weiter ausgebaut, sondern auch neue und attraktive Wege gefunden werden, um Quereinsteiger angemessen auf die Herausforderungen des Unterrichts vorzubereiten. Das derzeitige Vorgehen führt zur Entprofessionalisierung des Lehramts und wird auf dem Rücken der qualifizierten Kollegen und Schüler ausgetragen.“ Die Ergebnisse der letztjährigen Prüfungen zum mittleren Schulabschluss (MSA) dürften ein erster Hinweis in diese Richtung sein. „Darüber hinaus muss der Übergang von der Schule in die Berufsausbildung weiter verbessert und auch die Weiterbildung ausgebaut werden,“ fährt Dohmen fort. „Berlin hat hier die zweitniedrigste Weiterbildungsquote aller Länder und gerade Personen ohne Berufsausbildung bzw. mit Lehrabschluss beteiligen sich unterdurchschnittlich.“ Abgesehen von der Bundesagentur und dem Bildungsurlaub gibt es keine nennenswert genutzten Finanzierungsinstrumente und auch die Weiterbildungsstrukturen scheinen unzureichend ausgebaut zu sein, wozu auch die schlechten Rahmenbedingungen ihren Teil beitragen.

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Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

Kontakt:
Dr. Dieter Dohmen, FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin: d.dohmen@fibs.eu, 030/8471223-0 oder 0172/2676825


Pressemitteilung vom 22.01.2019 Weiterbildungskosten in Deutschland bei über 36 Mrd. Euro

Nach einer aktuellen Hochrechnung des FiBS liegen die Aufwendungen für Weiterbildung bei über 36 Mrd. Euro - dies ist mehr als doppelt so viel wie im Bildungsfinanzbericht des Statistischen Bundesamtes angegeben. Ermittelt wurden diese Zahlen für das Jahr 2015, welches auch das Bezugsjahr des aktuellen Bildungsfinanzberichts ist. Privathaushalte investieren dabei 10,8 Milliarden Euro, Betriebe 14,2 Milliarden Euro in Weiterbildung. Berücksichtigt man die steuerliche Refinanzierung privater Ausgaben, dann trägt die öffentliche Hand 11,4 Milliarden Euro.

Im Rahmen der Studie wurden vom FiBS die weiterbildungsbezogenen Finanzierungsdaten verschiedener Quellen aus den Jahren 2006 bis 2015 zusammengetragen und ausgewertet. Im Langzeitvergleich zeigt sich dabei, dass die Weiterbildungskosten in Deutschland in den letzten Jahren um rund 18,5% gestiegen sind, und zwar von 30,7 Milliarden Euro 2006 auf eben 36,4 Milliarden Euro 2015. In der Studie wurden neben direkten Kosten in Form von Teilnahmegebühren, Lernmaterialien oder Honorare für Dozent/innen auch die indirekten Kosten berücksichtigt, die Individuen aufgrund von Verdienstausfällen während der Fortbildungszeit oder Betrieben in Form von Lohnfortzahlungen entstehen können. Der Anteil dieser indirekten Kosten liegt bei etwa 36%.

Ebenfalls geschätzt wurde die Höhe der steuerbedingten Refinanzierung im Rahmen der Einkommens- bzw. Körperschaftssteuer. Das FiBS geht davon aus, dass jährlich rund 7 Mrd. Euro der betrieblichen und privaten Weiterbildungsausgaben über die Steuer refinanziert werden. Für Privatpersonen ist dabei jedoch der jeweilige Grenzsteuersatz relevant: Bezieher/innen hoher Einkommen profitieren von der steuerlichen Anrechenbarkeit von Fortbildungskosten stärker als Personen mit geringem Einkommen. „Gerade für Geringverdiener bedeutet die steuerliche Re-Finanzierung eine Benachteiligung“, so Dr. Michael Cordes, Projektleiter im FiBS. „Die derzeitigen Förderinstrumente im Bereich der Weiterbildung reichen nicht aus, um diese Benachteiligung zu kompensieren.“

„Insgesamt ist festzustellen, dass die Weiterbildungsausgaben heute deutlich geringer sind als um das Jahr 2000“, ergänzt FiBS-Direktor Dr. Dieter Dohmen. „Das liegt aber insbesondere daran, dass die Ausgaben der Bundesagentur für Arbeit geringer sind als damals. In den letzten Jahren lässt sich hingegen ein Anstieg der öffentlichen Ausgaben beobachten. Allerdings muss mit Blick auf die Herausforderungen der Digitalisierung noch deutlich mehr Geld in die Hand genommen werden. Die bisherigen Ansätze reichen trotz Qualifizierungschancengesetz bei weitem nicht aus. Insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen, aber auch die Beschäftigten brauchen eine an sie adressierte Förderung.“
Dass die hier ermittelten Beträge deutlich über dem Wert liegen, den der Bildungsfinanzbericht des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2015 mit gerade einmal 15,1 Mrd. Euro ausweist, ist darauf zurückzuführen, dass zum einen indirekte Kosten nicht Gegenstand des Bildungsfinanzberichts sind und dort zum anderen als private Ausgaben nur die Teilnahmeentgelte für Volkshochschulen aufgeführt werden. Beide Aspekte wurden unter Bezug auf verschiedene aktuelle Studien in der Kostenschätzung des FiBS berücksichtigt.

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Die Ergebnisse der Studie „Kosten der Weiterbildung in Deutschland – Verteilung der Finanzlasten auf Unternehmen, Privatpersonen, öffentliche Hand“ von Dieter Dohmen und Michael Cordes wurden heute in der Reihe „FiBS-Forum“ veröffentlicht. Der Beitrag ist auf der Homepage des FiBS (www.fibs.eu) zu finden.

Die veröffentlichte Studie ist Teil des vom FiBS durchgeführten Projekts „Volks- und regionalwirtschaftliche Kosten, Effekte und Finanzierung der Weiterbildung“. Das Projekt wird im Rahmen des Förderschwerpunkts „Innovative Ansätze zukunftsorientierter beruflicher Weiterbildung“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF gefördert.

Das FiBS ist eine private, interdisziplinäre Forschungs- und Beratungseinrichtung sowie ein führender Think Tank zum Thema Bildungsfinanzierung in Deutschland und Europa.

Kontakt:
Dr. Dieter Dohmen, FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin: d.dohmen@fibs.eu, 030/8471223-0 oder 0172/2676825
Dr. Michael Cordes, FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin: m.cordes@fibs.eu, 030/8471223-0


Pressemitteilung vom 08.01.2019 FiBS-Studie: Ermittlung der Lebenshaltungskosten von Studierenden: Aktualisierte Berechnung anhand der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks

Die durchschnittlichen Gesamtausgaben von Studierenden sind ebenso wie die Mieten zwischen 2012 und 2016 um bis zu 55 Prozent gestiegen; die Ausgaben für Fahrtkosten und Gesundheit haben sich teilweise verdoppelt. Besonders betroffen sind insbesondere einkommensschwächere und/oder jüngere Studierende. Dadurch liegen die Lebenshaltungskosten auch bei einkommensschwachen Studierenden fast immer über den Förderungshöchstsätzen des BAföG. Dies ist das Ergebnis einer erneuten Studie des FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie zu den Lebenshaltungskosten von Studierenden im Auftrag des Deutschen Studentenwerks.


Nachdem das FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie im Mai 2017 erstmalig im Auftrag des Deutschen Studentenwerks die Lebenshaltungskosten von Studierenden anhand verschiedener Datensätze für die Jahre 2012/13 vergleichend untersucht hat, wurde nun eine erneute Berechnung für das Jahr 2016 auf Basis der Daten der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks vorgenommen.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Ausgaben zwischen 2012 und 2016 für fast alle Studierenden beträchtlich erhöht haben. So belaufen sich z.B. die durchschnittlichen Ausgaben von einkommensschwachen, alleine wohnenden 18 bis 24 Jahre alten Studierenden auf 800 Euro, das sind 250 Euro mehr als noch vier Jahre zuvor. Alleine die Mieten sind um 53 Prozent von 235 auf 360 Euro angestiegen. Diese Werte liegen über dem BAföG-Höchstsatz, der inklusive Mietpauschale 735 Euro beträgt, sofern die Studierenden selbst für ihre Kranken- und Pflegeversicherung aufkommen müssen. Im Normalfall dürften sie lediglich 649 Euro an BAföG erhalten. „Mit diesem Betrag“ sagt Dr. Dieter Dohmen, der Direktor des FiBS und Leiter der Studie, „kommen allenfalls noch Studierende über die Runde, die mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin zusammen oder im Studentenwohnheim wohnen. Bei den alleine wohnenden Studierenden liegen bereits die Mieten um über 100 Euro über der Mietpauschale von 250 Euro.“

Neben den Mieten sind vor allem die Ausgaben für Fahrtkosten und Gesundheit gewachsen. Besonders dramatisch ist, dass gleichzeitig ausgerechnet die Ausgaben für Ernährung, Freizeit, Kleidung und Lernmittel häufig gesunken sind. „Angesichts der massiven Steigerungen der Ausgaben für Mieten, Fahrtkosten und Gesundheit ist es kein Wunder, wenn gerade bei der Ernährung, aber auch bei Kleidung, Freizeit und Lernmitteln versucht wird zu sparen.“ Während die Grundsicherung von Kosten für die Ernährung von 145 Euro ausgeht, geben Studierende hierfür oft weniger als 120 Euro, und zum Teil sogar nur 80 Euro aus. „Diese Ausgaben für Ernährung sind oft so niedrig, dass sie unterhalb des physiologischen Existenzminimums liegen dürften,“ merkt Dohmen an.

„Im Ergebnis ist festzuhalten,“ sagt der FiBS-Direktor, „dass das BAföG seinen Zweck nur noch begrenzt erfüllt.“ So liegen die Ausgaben von BAföG-geförderten Studierenden unterhalb der Beträge, die ihre Kommilitonen, die von den Eltern unterstützt werden, ausgeben. „Besonders


auffallend ist, dass die Ausgaben der Studierenden, die gleichzeitig Elternunterhalt und BAföG bekommen, niedriger sind als bei ausschließlicher Finanzierung über die Eltern oder das BAföG.“

„Will die Bundesregierung das Versprechen einlösen, dass es zu einer Trendumkehr bei den Gefördertenzahlen des BAföG kommt, dann muss es zum Herbst 2019 eine deutlich überproportionale Erhöhung geben“, stellt Dohmen fest. „Zwar ist die Erhöhung der Mietpauschale von 250 auf 325 Euro beträchtlich, allerdings können viele Studierende damit die zuletzt stark gestiegenen Mieten trotzdem nicht vollständig finanzieren.“ Es sind daher weitere Anpassungen nötig, z.B. durch die Wiedereinführung einer anteiligen Zusatzfinanzierung, wenn die Miete höher ist als die Pauschale. Auch die Anpassung des BAföG-Grundbedarfs um 5 Prozent von 399 auf 420 Euro bleibt hinter der Preisentwicklung seit Herbst 2016 zurück.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

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Dr. Dieter Dohmen, FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin: d.dohmen@fibs.eu, 030/8471223-0 oder 0172/2676825


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Pressemitteilung vom 23.11.2018 Weiterbildung fördert Innovation und Wachstum und benötigt grundlegende Reform der Finanzierung

Aktuelle Studien des FiBS belegen, dass Weiterbildung nicht nur eine wesentliche Grundlage für die Innovationsfähigkeit, sondern auch für das Wachstum von Betrieben und Volkswirtschaften ist. Von besonderer Bedeutung ist die Weiterbildungsbeteiligung von Frauen. Die Studien zeigen zudem, dass die Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland insgesamt gering und in den 16 Bundesländern sehr unterschiedlich ist. Die Vielzahl der Instrumente der Weiterbildungsfinanzierung trägt kaum zur Erhöhung der Beteiligung bei. Diese Ergebnisse präsentiert und diskutiert das FiBS am heutigen Tag im Rahmen des Abschlusssymposiums.

Ein wesentliches Ziel des FiBS-Forschungsprojektes bestand darin zu untersuchen, ob Weiterbildung ein wichtiger Treiber für Innovation und Wirtschaftswachstum ist, oder – umgekehrt –  Wachstum und Innovation Weiterbildung erfordern. „Die Ergebnisse unserer Studien sind eindeutig“, stellt Dr. Dieter Dohmen, der Direktor des FiBS, fest. „Weiterbildung fördert Wachstum und Innovation und nicht umgekehrt.“ Wichtig ist dabei aber auch die Arbeitsorganisation, d.h. eine Arbeitsplatzgestaltung, die komplexe Anforderungen stellt und den Beschäftigten viel Autonomie und Entscheidungsspielraum lässt. „Weiterbildung ist dabei wichtiger als Hochschulbildung, wenngleich Akademiker sich mehr an Weiterbildung beteiligen als andere Qualifikationsgruppen“, ergänzt Dr. Michael Cordes, der Projektleiter. Wenn Weiterbildung wichtig ist, wie kann man sie fördern?  Eine zweite Teilfrage beschäftigte sich daher mit der Rolle der Finanzierung der Weiterbildung in Deutschland sowie den 16 Bundesländern. Zwar gibt es eine Vielzahl von Förderinstrumente, aber lediglich eine Handvoll hat dabei eine größere Bedeutung. Dazu zählen die Weiterbildungsförderung der Bundesagentur für Arbeit, das Aufstiegs-BAföG und das allgemeine BAföG, sofern es sich auf Personen bezieht, die eine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Eine sehr viel stärkere Bedeutung für die Refinanzierung der Weiterbildungskosten hat hingegen die Einkommenssteuer, bei der diese Kosten geltend gemacht werden können. Alle anderen, weit über fünfzig Instrumente erreichen nur eine eher geringe Anzahl an Menschen. „Letztlich“, merkt Dohmen an, „werden bundesweit nur ein Siebtel bis ein Achtel aller Weiterbildungsteilnehmer dadurch unterstützt. Die öffentliche Weiterbildungsförderung hat somit noch deutlich Luft nach oben.“ Und Projektleiter Cordes fügt hinzu: „Die Förderung der Bundesagentur steht sogar in einem negativen Zusammenhang mit der Beteiligung an Weiterbildung. Mit anderen Worten: dort, wo die BA eine größere Rolle spielt, fehlen weitere Mittel, um die Weiterbildung stärker voranzutreiben.“ Da Weiterbildung im bevorstehenden Strukturwandel hin zu einer digitalisierten Wirtschaft an Bedeutung gewinnen wird, die Digitalisierung aber gleichzeitig das eigenständige Lernen, z.B. am Arbeitsplatz und im Prozess der Arbeit, besonders unterstützt, kommt es einerseits auf hochwertige Lernplattformen und andererseits auf funktionierende Finanzierungsinstrumente an.

„Investitionen in Humankapital werden quasi zu Aufgaben öffentlichen Infrastrukturförderung“, sagt FiBS-Direktor Dohmen. „Sie sind mindestens genauso wichtig, wie Straßenbau oder andere öffentliche Investitionen. Und bei denen diskutieren wir auch nicht darüber, ob der Staat oder die Unternehmen sie finanzieren sollen.“ Das FiBS schlägt daher einen systemischen Ansatz zur Neuordnung der Weiterbildungsfinanzierung vor: Neben die steuerliche Weiterbildungsförderung über die Einkommensteuer muss ein Zuschuss für diejenigen treten, die von der Steuer nicht oder nur teilweise profitieren. Damit die Nettokosten der Weiterbildung bei Personen mit einem geringen Einkommen nicht höher sind wie bei einkommensstarken Personen, sollte dieser Zuschuss mindestens 45 Prozent der Weiterbildungskosten übernehmen und auch andere Kosten umfassen, wie Fahrt- und Übernachtungskosten. Zudem sollte das Instrument, wie die Steuer auch, für mehrere Weiterbildungen pro Jahr genutzt werden können, wenn sich der oder die Teilnehmerin selbst an den Kosten beteiligt. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass jemand, der über die Steuer kofinanziert wird, sich beliebig oft im Jahr weiterbilden kann, wer aber einen Zuschuss braucht, weil er oder sie wenig verdient, nicht,“ meint Dohmen. Ergänzend sollte ein Weiterbildungsdarlehen eingeführt werden, damit teure Maßnahmen vorfinanziert werden können und die Länder eigenständige Schwerpunkte für bestimmte Branchen oder Zielgruppen legen können. Im Rahmen der Einkommensteuer könnte man auch über ein Instrument wie Ansparabschreibungen nachdenken.“ Dadurch können im Folgejahr geplante Ausgaben bereits im Vorjahr steuermindernd geltend gemacht werden können. „Das wäre eine einfache und wirksame Form des Bildungssparens“, hält Dohmen fest. „Besonders wichtig ist uns dabei, dass es einen einzigen Zugang zu allen Förderinstrumenten gibt und sich die Weiterbildungsinteressierten nicht durch eine Vielzahl von Instrumenten wühlen müssen, bis sie das richtige gefunden haben,“ schließt Cordes an. Die zentralen Projektergebnisse und die daraus resultierenden Überlegungen für die zukünftige Weiterbildungsfinanzierung wurden in dem Positionspapier „Weiterbildung und Weiterlernen treiben Innovationen und Wachstum – Anforderungen und Implikationen für die Weiterbildungsfinanzierung“ festgehalten.

Zur Positionspapier

Kontakt:
Dr. Dieter Dohmen, FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin: d.dohmen@fibs.eu, 030/8471223-0 oder 0172/2676825
Dr. Michael Cordes, FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin: m.cordes@fibs.eu, 030/8471223-0


Mitteilung vom 13. November 2018 FES stellt Papier von FiBS und DSW zu BAföG Entwicklung vor

Die Friedrich-Ebert-Stiftung stellt Anforderungen an die zukünftige Weiterentwicklung des BAföG vor. FiBS-Direktor Dr. Dieter Dohmen und das Deutsche Studentenwerk haben das Papier verfasst.

Zum Beitrag


FiBS: Bis 2030 fehlen 20.000 Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen

Zuletzt steigende Geburtenzahlen, eine weiterhin hohe Zuwanderung und höhere allgemeinbildende Schulabschlüsse führen zu einem Anstieg der Schülerzahlen in berufsbildenden Schulen ab Anfang der 2020er Jahre. In allen Ländern liegen die voraussichtlichen Schülerzahlen höher als von der Kultusministerkonferenz vorhergesagt; entsprechend werden mehr – nicht weniger – Lehrkräfte benötigt. Dies ist das Ergebnis einer Prognose des FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie zur Entwicklung des berufsbildenden Schulbereichs in den 16 Ländern. Finanziert wurde die Studie, die heute von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft veröffentlicht wird, von der Max-Traeger-Stiftung.

Die demografische Entwicklung in Deutschland und die hohe Zuwanderung machen sich nicht nur in den Grund- und weiterführenden Schulen bemerkbar, sondern führen nach und nach auch in den berufsbildenden Schulen zu einer steigenden Nachfrage. Waren im Schuljahr 2016/17 noch gut 2,5 Mio. Schülerinnen und Schüler in einer berufsbildenden Schule, können es im Jahr 2030 bis zu 2,6 Mio. werden. Dieser Trend lässt sich jedoch nicht in allen Ländern beobachten: Während die Schülerzahlen insbesondere in Nordrhein-Westfalen, den ostdeutschen Ländern sowie den Stadtstaaten Berlin und Hamburg zum Teil stark ansteigen, zeigen sich in den meisten westdeutschen Flächenländern rückläufige Schülerzahlen.
Gegenläufige Entwicklungen zeigen sich in den sog. Vollzeitschulen, die insbesondere Fachkräfte für den Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialbereich ausbilden, und den Teilzeit-Berufsschulen des dualen Systems. Während die Schülerzahlen in den Vollzeitschulen durchgängig ansteigen, sinken sie in den Teilzeit-Berufsschulen, vor allem in den westdeutschen Flächenländern. Rückläufig sind zudem die Schülerzahlen im sog. Übergangssystem, das diejenigen aufnimmt, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben.
Legt man diese Entwicklungen in der Nachfrage nach beruflicher Bildung zugrunde, ist, insgesamt gesehen, mit einem weiteren Anstieg des Lehrkräftebedarfs zu rechnen –  und nicht mit einem Rückgang, wie die KMK und die Bertelsmann-Stiftung erwarten. Der Anstieg der Schülerzahlen und des Lehrkräftebedarfs zeigt sich in den westdeutschen Ländern insbesondere in der zweiten Hälfte des kommenden Jahrzehnts, in den ostdeutschen Ländern hingegen fast über den gesamten Zeitraum.
„Im Ergebnis bedeuten unsere Zahlen, dass der Lehrkräftebedarf noch einmal deutlich höher ist, als von der Kultusministerkonferenz und der Bertelsmann-Stiftung vorausgesagt,“ stellt Dr. Dieter Dohmen, der Direktor des FiBS fest. Während sowohl die KMK als auch die Bertelsmann-Stiftung von bundesweit sinkenden Schülerzahlen und damit auch einem rückläufigen Lehrkräftebedarf ausgehen, kommt das FiBS in beiden Bereichen zu steigenden Zahlen. Schon jetzt und trotz der Annahme sinkender Schülerzahlen stellen die beiden anderen Studien einen Mangel von mindestens 8.700 einschlägig qualifizierten Berufsschullehrkräften fest. Geht man dann, wie das FiBS errechnet hat, von steigenden Schülerzahlen aus, wird der zu erwartende Mangel an Lehrenden sogar noch deutlich größer ausfallen und könnte bis zu 20.000 betragen.
„Im Ergebnis bedeuten die vorliegenden Prognosen, dass die berufliche Bildung junger Menschen in Deutschland erheblich unter Druck gerät“, formuliert der Bildungsökonom. „Hätte das Werben für die duale Ausbildung Erfolg, müssten die Auszubildenden damit rechnen, dass die Unterrichtsversorgung in den Berufsschulen nicht gewährleistet ist. Kultus- und Wissenschaftsministerien sind gefordert, hier möglichst schnell aktiv zu werden, um eine hochwertige Ausbildung junger Menschen sicherzustellen. Gelingt das nicht, sind junge Menschen dann besser beraten, ein Hochschulstudium anzustreben. Ohne hier unnötig dramatisieren zu wollen: Der sich abzeichnende Lehrkräftemangel in fast allen Bereichen des Schulsystems droht zu einer Gefahr für das Qualifikationsniveau junger Menschen zu werden und könnte den Fachkräftemangel weiter verschärfen.“


Die Studie finden Sie hier.

Kontakt:
Dr. Dieter Dohmen, FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin: d.dohmen@fibs.eu, 030/8471223-0 oder 0172/2676825

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Pressemittelung vom 15. Oktober 2018Re-Analyse der KMK-Daten zeigt: Lehrkräftemangel in Grundschulen und Sek I geradezu dramatisch

Die unmittelbare Gegenüberstellung der am vergangenen Donnerstag von der Kultusministerkonferenz vorgelegten Daten zum Lehrkräftebedarf und zum voraussichtlichen Angebot zeigt, dass an den Grundschulen und in der Sekundarstufe I 45.000 einschlägig qualifizierte Lehrkräfte fehlen werden. Auch an den Berufsschulen und für die Sonderpädagogik ist die Unterdeckung beträchtlich.

Die Kultusministerkonferenz hat am vergangenen Donnerstag die aktuellen Daten zum Einstellungsbedarf und zum erwarteten Angebot an Lehrkräften vorgelegt. In der Pressemitteilung vom 11.10.2018 wird dazu festgehalten: „Die Kultusministerkonferenz rechnet deutschlandweit bei derzeit 798.200 hauptberuflichen Lehrkräften nach einer vorläufigen Länderabfrage für den Zeitraum 2018 bis 2030 mit einem durchschnittlichen jährlichen Einstellungsbedarf von rund 31.900 Lehrerinnen und Lehrern. Dem steht ein Angebot von jährlich 31.200 Absolventinnen und Absolventen des Vorbereitungsdienstes gegenüber. Dies bedeutet, dass nach jetzigem Stand im jährlichen Durchschnitt voraussichtlich 700 Stellen nicht besetzt werden können (Unterdeckung von 2,1 Prozent).“

Weiterhin wird festgestellt, dass die „Differenzierung nach Lehramtstypen und der fachspezifische Bedarf zeigen, dass das Problem nicht besetzbarer Stellen vor allem für den Lehramtstyp „Sekundarbereich II (berufliche Fächer) oder für die beruflichen Schulen“ sowie für die sonderpädagogischen Lehrämter besteht. Aber auch in den „Lehrämtern der Grundschule bzw. des Primarbereichs“ und bei den „Lehrämtern für alle oder einzelne Schularten des Sekundarbereichs I“ zeigen sich zum Teil große Engpässe.“

Die Bedeutung des letzten Absatzes und insbesondere des letzten Satzes wird erst dann wirklich deutlich, wenn man sich die folgenden Tabellen genauer anschaut, die den Lehrkräftebedarf und das Lehrkräfteangebot nach Lehrämtern gegenüberstellen. Tabelle 1 zeigt, dass bis zum Jahr 2030 insgesamt annähernd 415.000 Lehrkräfte für die verschiedenen Lehrämter benötigt werden. Tabelle 2 weist ein Gesamtangebot an Lehrkräften von knapp 406.000 aus, was in der Summe bedeutet, dass eine Unterdeckung von rund 8.500 für die kommenden Jahre bis 2030 bestünde. Wenn von diesem Gesamtangebot aber über 160.000 Lehrkräfte für die Sekundarstufe II der allgemeinbildenden Schulen qualifiziert werden, wofür aber nur 109.000 benötigt werden, folgt daraus an dieser Stelle ein Überangebot von 52.000 (siehe Tabelle 3).

Diese Zahl bedeutet im Umkehrschluss, dass sich bei den anderen Schulformen und Schulstufen ein Unterangebot von über 60.000 einschlägig qualifizierten Lehrkräften abzeichnet, darunter fast 29.000 für die Sekundarstufe I sowie annähernd 16.000 für die Primarstufen (einschl. der Klassen 5 und 6 in Ländern mit längerer Grundschulzeit bzw. Schulartunabhängiger Orientierungsstufen). Auch an den Berufsschulen fehlen rund 9.000 Lehrkräfte und in der Sonderpädagogik über 5.000.

„Diese Ergebnisse verweisen auf eine grundlegende strukturelle Schieflage zwischen der Lehrkräfteausbildung und dem Lehrkräftebedarf, die die Forderung nach einem stärkeren Steuerungs- bzw. Abstimmungsbedarf zwischen den Kultus- und Wissenschaftsministerien bzw. Hochschulen nahelegen,“ stellt Dr. Dieter Dohmen, der Direktor des FiBS fest. „Die Lehrkräfteausbildung in der Primar- und Sekundarstufe I muss kurzfristig ebenso deutlich ausgebaut werden wie für die Berufsschulen und die Sonderpädagogik. Demgegenüber können die Ausbildungskapazitäten für die Lehrämter der allgemeinbildenden Sekundarstufe II deutlich reduziert werden. Das betrifft nicht nur die Universitäten, sondern auch den Vorbereitungsdienst.“

Im Gegensatz zur KMK ermittelte das FiBS in diesem Jahr in zwei Prognosen noch erheblich höhere Schülerzahlen und Lehrkräftebedarfe. Diese Prognosen betrafen die berufsbildenden Schulen deutschlandweit sowie die allgemeinbildenden Schulen in Hessen. Mit anderen Worten: der Lehrkräftebedarf könnte noch deutlich höher sein, als derzeit von der Kultusministerkonferenz bzw. den zuständigen Länderministerien erwartet.

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Anhang: Lehrkräftebedarf und Lehrkräfteangebot in der Gegenüberstellung


Tabelle 1: Lehrkräftebedarf in Deutschland bis 2030 nach Lehrämtern


Tabelle 2: Lehrkräfteangebot in Deutschland bis 2030 nach Lehrämtern


Tabelle 3: Saldo aus Lehrkräftebedarf und -angebot in Deutschland bis 2030 nach Lehrämtern

Das FiBS ist eine private, interdisziplinäre Forschungs- und Beratungseinrichtung sowie ein führender Think Tank und arbeitet seit 25 Jahren zu bildungs- und sozialökonomischen Themen auf deutscher, europäischer und weltweiter Ebene. Mit unterschiedlichen Fokussierungen betrachten wir Bildungsbereiche und setzen sie zu sozialen, innovativen, digitalen und arbeitsmarktpolitischen Themen in Beziehung. Auf diese Weise möchten wir zum Konzept des Lebenslangen Lernens beitragen.

Kontakt

Dr. Dieter Dohmen, FiBS - d.dohmen@fibs.eu

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Pressemitteilung vom 20. September 2018FiBS-Studie belegt positiven Einfluss von Weiterbildung auf Innovation

Die heute in der Reihe „FiBS-Forum“ veröffentlichte Studie „Adult education and Innovation“ von Dieter Dohmen und Galiya Yelubayeva zeigt, dass die Teilnahme von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern an beruflicher Weiterbildung einen signifikant positiven Einfluss auf wirtschaftliche Innovation besitzt. Voraussetzung ist dabei ein Arbeitsumfeld, das durch komplexe Aufgabenstellungen, eigenverantwortliche Entscheidungskompetenzen und Lernen am Arbeitsplatz gekennzeichnet ist. Weiterbildung allein wirkt sich nicht automatisch förderlich auf Innovation aus. Der Beitrag ist auf der Homepage des FiBS (www.fibs.eu) zu finden.

Für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes sind Innovationen ein entscheidender Faktor. Dies setzt jedoch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter voraus, die nicht nur eigenverantwortlich und kreativ handeln, sondern zugleich auch kontinuierlich ihre Kompetenzen weiterentwickeln. Bislang existieren allerdings nur wenige Untersuchungen dazu, ob und inwieweit Weiterbildung Auswirkungen auf die Innovationskraft eines Landes hat. Das FiBS hat diese Lücke nun geschlossen und eine Studie zu dem Thema „Adult education and Innovation“ vorgelegt.

Die Ergebnisse weisen eindeutig darauf hin, dass die Kombination aus komplexen Arbeitsaufgaben, Lernen am Arbeitsplatz und zusätzlichen Weiterbildungsmaßnahmen zur Innovationsleistung beitragen. Dagegen zeigen Arbeitsumgebungen mit geringerer Eigenverantwortlichkeit und Aufgabenkomplexität sowie mit weniger Lernmöglichkeiten erhebliche negative Auswirkungen auf die Innovation. Die Studie stützt sich dabei auf Daten aus verschiedenen europäischen Studien zur Weiterbildung und zu Arbeitsbedingungen, so z.B. des Continuing Vocational Training Survey CVTS und des European Working Conditions Survey EWCS.

Vom aktuellen Forschungsstand ausgehend wurde in dieser Studie der Innovationsindex von 28 europäischen Ländern betrachtet. Dabei wurden mittels statistischer Verfahren die Auswirkungen verschiedener Weiterbildungsindikatoren (darunter die Teilnahme der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer; der Anteil der Unternehmen, die Weiterbildung anbieten; Kosten und Umfang) und des Arbeitsumfelds auf das jeweilige Innovationsniveau untersucht. Gleichzeitig wurden in der Untersuchung PISA-Ergebnisse der jeweiligen Länder, der Anteil an Hochschulabsolventen, die Forschungs- und Entwicklungsausgaben sowie das Brutto-Inlandsprodukt pro Kopf als weitere mögliche Einflussfaktoren berücksichtigt.

„Die Studie belegt damit erstmals, dass Weiterbildung einen positiven Einfluss auf die Innovationsfähigkeit von Ländern hat,“ stellt Dr. Dieter Dohmen, der Direktor des FiBS fest. „Bisher ging man davon aus, dass insbesondere die Arbeitsorganisation wichtig für Innovation ist. Wird diese komplexe und flexible Arbeitsorganisation aber durch Weiterbildung ergänzt, dann verbessert sich der Erklärungsgehalt noch einmal deutlich“.

Die veröffentlichte Studie ist Teil des vom FiBS durchgeführten Projekts „Volks- und regionalwirtschaftliche Kosten, Effekte und Finanzierung der Weiterbildung“. Das Projekt wird im Rahmen des Förderschwerpunkts „Innovative Ansätze zukunftsorientierter beruflicher Weiterbildung“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF gefördert.

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Das FiBS ist eine private, interdisziplinäre Forschungs- und Beratungseinrichtung sowie ein führender Think Tank und arbeitet seit 25 Jahren zu bildungs- und sozialökonomischen Themen auf deutscher, europäischer und weltweiter Ebene. Mit unterschiedlichen Fokussierungen betrachten wir Bildungsbereiche und setzen sie zu sozialen, innovativen, digitalen und arbeitsmarktpolitischen Themen in Beziehung. Auf diese Weise möchten wir zum Konzept des Lebenslangen Lernens beitragen.

Kontakt:
Dr. Dieter Dohmen, FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin:
d.dohmen@fibs.eu
Galiya Yelubayeva, FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin: g.yelubayeva@fibs.eu
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Pressemitteilung vom 7. August 2018 FiBS-Prognose: Steigende Schülerzahlen führen zu steigendem Lehrkräftebedarf in Hessen

Die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen in Hessen wird bis 2030 von zuletzt knapp 630.000 auf 720.000 ansteigen. Diese Entwicklung führt zu einem Bedarf von 57.250 Lehrkräften – das sind über 6.000 mehr als im letzten Schuljahr. Dies ist das Ergebnis einer Prognose zur Entwicklung der Schülerzahlen und des Lehrkräftebedarfs in den allgemeinbildenden Schulen in Hessen, die das FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie heute vorgelegt hat. Auftraggeber der Studie ist die Fraktion Die Linke im hessischen Landtag.

Steigende Geburtenzahlen und eine zunehmende Zuwanderung aus anderen Bundesländern und dem Ausland führen dazu, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den allgemeinbildenden Schulen in Hessen ab Anfang der 2020er Jahre ansteigt. Dies erfordert die Einstellung zusätzlicher Lehrkräfte. „Der Einstellungsbedarf beträgt unter Berücksichtigung der hohen Zahl an vorzeitig ausscheidenden Lehrerinnen und Lehrer bis zu 26.000,“ stellt Dr. Dieter Dohmen, der Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialarbeit (FiBS), fest. „Um diese Größenordnung erreichen zu können, ist vor allem ein Ausbau der Kapazitäten für den Vorbereitungsdienst erforderlich“, ergänzt der Bildungsökonom. „Wenn die vorliegenden Daten nicht täuschen, dann ist der Übergang in das Referendariat entweder die größte Hürde oder viele Absolventinnen und Absolventen eines Lehramtsstudiums verzichten freiwillig darauf.“

Im Vergleich zur Prognose des Statistischen Landesamtes ist die voraussichtliche Schülerzahl im Jahr 2030 um etwa 40.000 größer, entsprechend ist der Lehrkräftebedarf unter identischen Annahmen zur Schüler/innen-Lehrkräfte-Relation, um etwa 2.000 höher. „Da wir vom FiBS die Trends der vergangenen Jahre beim Übergangsverhalten in die Zukunft fortschreiben,“ sagt Dohmen, „zeigen sich einige Unterschiede in der Größenordnung der verschiedenen Schulformen. Dies führt in der Folge zu weiteren Unterschieden beim Lehrkräftebedarf.“

Neben einem steigenden Lehrkräftebedarf würde ein weiterer Ausbau der Ganztagsschulen den Bedarf an Lehrkräften um bis zu 3.800 über die oben genannten Zahlen hinaus erhöhen, sofern der Fokus auf gebundene, d.h. verpflichtende, Ganztagsschulen gelegt würde. Bei offenen, also freiwilligen Ganztagsschulen wären zusätzlich etwa 1.900 Lehrkräfte notwendig. Des Weiteren wären zwischen 1.000 und 1.900 Erzieher/innen und weitere Fachkräfte einzustellen.

Schulsozialarbeit hat sich in den letzten Jahren als weitere wichtige Komponente des Schulsystems etabliert. Sollte Hessen hier eine umfassende Versorgung im Rahmen der Schulpolitik vorsehen, wären bis 2030 mindestens 1.200 Schulsozialarbeiter/innen einzustellen. Die Zahl kann bei einem anspruchsvolleren Konzept auf bis zu 4.300 ansteigen. Derzeit erfolgt die Schulsozialarbeit sowohl in den Schulen als auch durch die Kinder- und Jugendhilfe.

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Das FiBS ist eine private, interdisziplinäre Forschungs- und Beratungseinrichtung sowie ein führender Think Tank zum Thema Bildungsfinanzierung und Bildungsökonomie in Deutschland, Europa und weltweit. FiBS‘ Vision and Mission ist „Enhancing lifelong learning for all“.

Die heute veröffentlichte Prognose wurde mit unserem Tool EduSimTM erstellt, das neben quantitativen Szenarien auch die Effekte qualitativer Verbesserungen im Bildungssystem, etwa durch wirksamere pädagogische Konzepte, ermitteln kann.

Kontakt

Dr. Dieter Dohmen, FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin: d.dohmen@fibs.eu, 030/8471223-0 oder 0172/2676825

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