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Leistungsgerechte Vergütung und Alterssicherung von Kindertagespflegepersonen als Beitrag zur Fachkräftegewinnung

Studie
Dr. Michael CordesElena Karrmann

Leistungsgerechte Vergütung und Alterssicherung von Kindertagespflegepersonen als Beitrag zur Fachkräftegewinnung

Studie

Beteiligte interne Autor/innen:

Dr. Michael Cordes, Elena Karrmann

Erscheinungsdatum:

Im pädagogischen Elementarbereich hat sich die Kindertagespflege in den letzten Jahren zu einer der tragenden Säulen der Kinderbetreuung entwickelt. Allein in den Jahren zwischen 2006 und 2020 hat sich die Anzahl der betreuten Kinder in diesem Sektor nahezu verdreifacht (Statistisches Bundesamt, 2021). Seit 2013 gilt für Kinder ab einem Jahr ein Anspruch auf Förderung in einer Tageseinrichtung oder eben in der Kindertagespflege, rechtlich verankert im § 24, Abs. 1 bis 3 SGB VIII. Als Angebot der Kinder- und Jugendhilfe ist Kindertagespflege also inzwischen zunehmend etabliert und wird als Betreuungsform der Tagesbetreuung gleichwertig gestellt (BMFSFJ, o.J.).

Der Bedeutungszuwachs der Kindertagespflege wird auch durch einen Blick auf die einschlägigen öffentlichen Finanzstatistiken bestätigt: Laut des Statistischen Bundesamtes wurden 2019 für die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und in der Kindertagespflege insgesamt 5,11 Mrd. € ausgegeben, von denen knapp 1,48 Mrd. (29%) auf die Kindertagespflege entfielen (Statistisches Bundesamt, 2020). Seit der Novelle des §24 SGB VIII von 2013 bedeutet dies sowohl für die Gesamtausgaben in der Kindertagesbetreuung als auch für die Ausgaben in der Kindertagespflege in etwa eine Verdopplung. Schaut man jedoch noch weiter zurück, dann wird ersichtlich, dass schon seit dem Jahr 2005 die Gesamtausgaben in diesem Feld fast kontinuierlich gestiegen sind. Die Zahl der in der Kindertagespflege betreuten Kinder stieg zwischen 2013 und 2020 um rund 25% von 140 Tsd. auf 174 Tsd.F Dagegen lag jedoch die Zahl der Kindertagespflegepersonen im gleichen Zeitraum nahezu konstant bei knapp 45.000 (Statistisches Bundesamt, 2021): In der Dekade von 2010 bis 2020 ist im Personalbestand eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von gerade einmal 1% zu verzeichnen (Autorengruppe Fachkräftebarometer, 2021, S. 72).

Verändert hat sich dagegen die Altersstruktur. Waren 2013 noch die Hälfte der Betreuungspersonen unter 45 Jahre, so waren es sieben Jahre später nur noch 45%. So ist vor allem ein Rückgang bei den unter 35-jährigen Kindertagespflegepersonen um 4,5 Prozentpunkte und zeitgleich ein Anstieg bei den über 55-jährigen um 8,2 Prozentpunkte zu beobachten. Eine mögliche Erklärung für diese Entwicklungen könnte eine mangelnde Attraktivität der Tätigkeit sein, die gerade jüngere Personen von einer dauerhaften Arbeit in der Kindertagespflege abhält. Erschöpfend ist eine solche Erklärung allein aus den statistischen Zahlen zur Altersverteilung heraus sicherlich nicht, sie erhält jedoch eine stärkere Aussagekraft, wenn man sich die Vergütungssituation der in aller Regel selbständig tätigen Kindertagespflegepersonen ansieht, die teilweise deutlich unterhalb des Mindestlohnes anzusiedeln ist. Für Personen, die Kindertagespflege als berufliche Tätigkeit begreifen und hieraus ihr Erwerbseinkommen beziehen, wirft dies kurzfristig die Frage nach der finanziellen Auskömmlichkeit, langfristig aber auch die nach der Absicherung im Alter auf. Wie für alle anderen Berufe gilt dabei auch in der Kindertagespflege, dass die Lukrativität der beruflichen Tätigkeit ein entscheidender Faktor ist, wenn es darum geht, den Fachkräftebestand in diesem Bereich zu sichern. Diese Studie zielt darauf ab, die finanzielle Situation von Kindertagespflegepersonen mit Blick auf Qualifizierung und auf Alterssicherung näher zu beleuchten. Ausgangspunkt sind dabei Vergütungsberechnungen für die Kindertagespflege in ausgewählten Bundesländern, die bereits im Jahr 2020 vom FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie im Auftrag des Bundesverbandes für Kindertagespflege e.V. angefertigt wurden. Auf dieser Grundlage wurden in der vorliegenden Studie zwei Fragestellungen untersucht.

  • Wie beeinflussen Qualifizierungsprofile die Entwicklung des Einkommens von Kindertagespflegepersonen über einen längeren Tätigkeitszeitraum?
  • Welche Perspektiven der Alterssicherung ergeben sich für Kindertagespflegepersonen im Verlauf eines Arbeitslebens?

Beide Fragestellungen wurden anhand prognostischer Modellrechnungen bearbeitet, die eine fundierte Einschätzung zu den genannten Fragestellungen erlauben.

 

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