Heute stellen wir gemeinsam mit Klaus Hurrelmann die vierte Cornelsen Schulleitungsstudie vor. 2.066 Schulleitungen haben geantwortet, 1.819 an allgemeinbildenden und 247 an beruflichen Schulen. Drei Befunde gehören dabei zusammen.
Erstens: Schulleitungen haben auch ohne neue Programme mehr als genug zu tun. Pro Kopf und über alle erfragten Tätigkeiten gerechnet, arbeiten die Leitungen allgemeinbildender Schulen 48,5 Stunden in der Woche, und das seit drei Erhebungen nahezu unverändert (2023: 48,3, 2024/25: 48,4 Stunden). Bei 57 Prozent von ihnen gehen allein in die Verwaltung mehr als zehn Wochenstunden. 94 Prozent aller Befragten berichten von wachsenden Aufgaben ohne ausreichende Entlastung, und nur jede achte Schulleitung sieht bei sich ausreichend Zeit für die Umsetzung der zentralen Themen.
Zweitens: Die großen Programme kommen obendrauf. An Grundschulen, die an keinem der beiden Programme beteiligt sind, arbeiten die Leitungen im Schnitt 45,1 Stunden pro Woche. Ist die Schule eine Startchancen-Schule, sind es gut fünf Stunden mehr, nämlich 50,3 Stunden. Muss sie zusätzlich ihr Angebot für den Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung anpassen, sind es 52,3 Stunden, also rund sieben Stunden mehr als an Grundschulen ohne diese Programme. Der Anteil der Verwaltung bleibt dabei bei knapp einem Viertel der Zeit; die zusätzlichen Stunden fließen vor allem in Schulentwicklung, Personalmanagement und Konfliktlösung.
Drittens, und das ist vielleicht der bemerkenswerteste Befund: Die Schulleitungen blicken trotzdem nach vorn. 48 Prozent der Leitungen allgemeinbildender Schulen sind zuversichtlich, was die Weiterentwicklung ihrer Schule in den kommenden zwölf Monaten angeht, nach 44 Prozent in der letzten Studie; an beruflichen Schulen sind es 56 Prozent. Zugleich sind sie ausgesprochen reformorientiert. 95 Prozent der Leitungen allgemeinbildender Schulen wünschen sich eine Schule, in der die Aneignung von Lebenskompetenzen gefördert wird, 94 Prozent eine Schule, die individualisiertes und kooperatives Lernen verzahnt, 91 Prozent eine, in der digitalisierte Lernformate zum Alltag gehören, und 87 Prozent sehen Lehrkräfte als Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter.
Wer will, dass aus den Programmen Wirkung wird, sollte deshalb bei den Menschen ansetzen, die sie umsetzen: mit Entlastung von Verwaltung, mit mehr Personal für die Leitung und mit einer zeitlichen Staffelung, die nicht alles gleichzeitig an denselben Schulen ablädt. Den Willen, die eigene Schule weiterzuentwickeln, bringen die Schulleitungen mit.
