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Dieter Dohmen zum Thema Lehrkräfteschwund in Deutschland: Vorzeitige Ausstiege nehmen drastisch zu! Massenexodus der Lehrkräfte? Eine Analyse der Abgänge aus dem Schuldienst bis einschließlich Schuljahr 2024/25

Positionspapier
Massenexodus der Lehrkräfte? Eine Analyse der Abgänge aus dem Schuldienst bis einschließlich Schuljahr 2024/25

Massenexodus der Lehrkräfte? Eine Analyse der Abgänge aus dem Schuldienst bis einschließlich Schuljahr 2024/25

Positionspapier

Autor/innen:

Dieter Dohmen

Erscheinungsdatum:

Die aktuelle FiBS Analyse zum Lehrkräfteschwund in Deutschland (Dohmen, FiBS-Policy Paper Nr. 9, Stand: Daten bis einschließlich Schuljahr 2024/25) zeigt besorgniserregende Trends. Jährlich verlassen im Schnitt 10,4 % der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen den Schuldienst; im Schuljahr 2024/25 lag der Anteil mit 9,9 % leicht darunter (nach 9,5 % im Vorjahr). Bezogen auf rund 752.000 Lehrkräfte entspricht das einer Größenordnung von knapp 75.000 Lehrkräften, die das System in einem Schuljahr verlassen – inklusive Wechseln, temporären Unterbrechungen (z. B. Elternzeit) und Mobilität zwischen Schulen/Ländern.

Für die Frage, wie viele Lehrkräfte dem Schulsystem dauerhaft verloren gehen, ist eine Bereinigung wichtig: Rechnet man temporäre Abgänge sowie Schul- und Länderwechsel heraus, schwankt der Anteil der dauerhaft ausscheidenden Lehrkräfte langfristig um 5,4 %; im Schuljahr 2024/25 lag er bei 5,0 %. Daraus ergibt sich bundesweit eine Größenordnung von etwa 38.000 Lehrkräften pro Jahr, die dem Schulsystem dauerhaft verloren gehen – darunter rund 10.000 altersbedingt (Ruhestand).

Während der Anteil altersbedingter Abgänge seit Ende der 2010er-Jahre deutlich zurückgeht (zuletzt etwa 1,3 % in Relation zum Lehrkräftebestand), ist der Anteil der vorzeitig dauerhaft Ausscheidenden über Jahre stark gestiegen. Besonders auffällig ist die Verschiebung im Verhältnis: Lag es lange etwa zwischen 1:1,1 und 1:1,3, beträgt die Relation inzwischen 1:2,8 – mit stark steigender Tendenz seit 2015/16. Übersetzt heißt das: Auf eine regulär altersbedingt ausscheidende Lehrkraft kommen derzeit fast drei Lehrkräfte, die aus anderen Gründen dauerhaft gehen.

Ostdeutschland besonders betroffen

Die Lage variiert stark zwischen den Bundesländern. In den letzten Datenjahren reicht die Spannweite der dauerhaften Abgänge etwa von knapp 3 % (z. B. Hessen) bis zu 8,6 % (Sachsen-Anhalt, 2024/25). Auffällig sind besonders hohe Anteile vorzeitig Ausscheidender in mehreren ostdeutschen Ländern; zudem wird hervorgehoben, dass Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und zuletzt auch Sachsen-Anhalt sehr hohe Anteile an Lehrkräften haben, die den Schuldienst aus anderen Gründen als dem Ruhestand verlassen.

Belastung dürfte Hauptfaktor sein

Die Gründe für den vorzeitigen Ausstieg sind vielfältig, doch ein zentraler Treiber dürfte die Überlastung sein: Arbeitszeitstudien zeigen laut Studie regelmäßig, dass die tatsächliche Arbeitszeit von Lehrkräften – besonders während der Unterrichtszeit – deutlich über eine „reguläre“ 40-Stunden-Woche hinausgeht. Zunehmende Heterogenität der Schülerschaft sowie psychische und soziale Herausforderungen verschärfen die Belastung zusätzlich.

Handlungsbedarf dringender denn je

Angesichts des bestehenden und sich voraussichtlich verstärkenden Lehrkräftemangels fordert die Studie Maßnahmen zur spürbaren Entlastung: genannt werden u. a. veränderte/realitätsnähere Arbeitszeiterfassung, flexiblere Modelle und der Ausbau multiprofessioneller Teams. Zudem wird angeregt, die Klassen- bzw. Lerngruppengrößen und die personelle „Bestückung“ stärker an tatsächliche Belastungslagen anzupassen (z. B. bei mehreren Schüler:innen mit erheblichen psychischen/sozialen Beeinträchtigungen). Solange das Niveau der vorzeitig dauerhaft Ausscheidenden so hoch bleibt, ist laut Studie davon auszugehen, dass der Lehrkräftemangel dauerhaft fortbesteht – zumal künftig eher mit sinkenden Anfängerzahlen im Lehramtsstudium gerechnet wird.

 

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