PISA 2025 in Deutschland: Die Debatte der ersten Woche
Nachlese · Stand 25. September 2026 · Quellenstand: 8.–25. September 2026
Die OECD hat am 8. September 2026 die Ergebnisse von PISA 2025 vorgelegt. Deutschland erreicht in allen drei Kernbereichen die niedrigsten Werte seit Beginn der Studien. Diese Nachlese ordnet die Befundlage, die konkurrierenden Ursachendeutungen und – im Schwerpunkt – die vorgelegten Handlungsempfehlungen auf wissenschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene.
Inhalt
- Die Befundlage – was tatsächlich gemessen wurde
- Wissenschaftliche Ebene: Ursachendeutungen und Kontroversen
- Die 13 Handlungsoptionen des nationalen Konsortiums
- Abgleich mit den FiBS-Prognoseannahmen
- Politische Ebene: Bund, Länder, Fraktionen
- Gesellschaftliche Ebene: Verbände, Wirtschaft, Zivilgesellschaft
- Social Media und Community-Diskurs
- Synthese: Konsens, Konflikt, Leerstellen
- Quellen
01 · Datengrundlage Die Befundlage – was tatsächlich gemessen wurde
PISA 2025 ist die neunte Erhebungsrunde. Getestet wurde vom 31. März bis 23. Mai 2025; weltweit nahmen rund 760.000 Jugendliche in 91 Staaten und Regionen teil. In Deutschland waren es 6.659 Schülerinnen und Schüler an 246 Schulen, repräsentativ für etwa 717.900 Fünfzehnjährige (rund 93 % der Alterskohorte). Die OECD stellt ausdrücklich fest, dass alle deutschen Daten die PISA-Qualitätsstandards erfüllten. Schwerpunktdomäne waren die Naturwissenschaften; neu erhoben wurde „Lernen in der digitalen Welt“ mit der Teilkompetenz modellbasiertes Problemlösen. Die Ergebnisse zu Englisch als Fremdsprache und zum selbstregulierten Lernen folgen erst 2027.
Mittlere Kompetenzen Deutschland, PISA 2025
| Bereich | Deutschland | Vergleich |
|---|---|---|
| Naturwissenschaften | 486 | OECD 482 · EU 476 · 2022: 492 |
| Lesen | 465 | OECD 461 · EU 451 · 2022: 480 |
| Mathematik | 464 | OECD 463 · EU 460 · 2022: 475 |
| Modellbas. Problemlösen | 498 | OECD 500 · EU 492 · erstmals erhoben |
Veränderung gegenüber 2022: Naturwissenschaften −6 (nicht signifikant), Mathematik −11, Lesen −15 Punkte. Im OECD-Durchschnitt betrugen die Rückgänge −3 / −9 / −14 Punkte. Deutschland liegt damit in allen drei Bereichen statistisch im OECD-Durchschnitt – in den Naturwissenschaften erstmals seit 2006 nicht mehr darüber.
Der zentrale Befund ist nicht der Mittelwert, sondern die Verteilung. Der Anteil ohne gesicherte Basiskompetenzen ist seit 2015 um 17 (Mathematik), 15 (Lesen) und 10 Prozentpunkte (Naturwissenschaften) gestiegen; gleichzeitig schrumpft die Spitzengruppe.
Kompetenzstufenverteilung Deutschland, Anteile in Prozent
| Bereich | unter Stufe II | Stufe II bis IV | Stufe V/VI |
|---|---|---|---|
| Naturwiss. | 27 % | 64 % | 9 % |
| Lesen | 32 % | 61 % | 7 % |
| Mathematik | 34 % | 58 % | 8 % |
Spitzengruppe seit 2015: Naturwissenschaften 11 → 9 %, Mathematik 13 → 8 %, Lesen 12 → 7 %. Nur noch 3 % erreichen in allen drei Bereichen Stufe V oder VI. Umgekehrt verfügt rund ein Fünftel der 15-Jährigen in keinem der drei Bereiche über ausreichende Basiskompetenzen – OECD-weit ist dieser Anteil von 16 % (2022) auf 20 % gestiegen.
Bildungsungleichheit: der eigentliche Aufreger
Der Zusammenhang zwischen naturwissenschaftlicher Kompetenz und sozioökonomischem Status ist in Deutschland so stark wie zu keinem Zeitpunkt seit dem Studienbeginn im Jahr 2000 – und er ist seit 2015 gegen den OECD-Trend wieder gewachsen.
Soziale Herkunft und Naturwissenschaftsleistung
| Bereich | Deutschland | Vergleich |
|---|---|---|
| Erklärte Varianz (ESCS) | 19 % | OECD-Durchschnitt 11,6 % |
| Abstand oberstes/unterstes Quartil | 125 | Punkte · OECD 85 |
| Resiliente Benachteiligte | 9 % | OECD ca. 12 % |
| Hohe Kompetenz erreichen | 2 % / 25 % | benachteiligt / privilegiert |
Der Zusammenhang ist rund dreimal so stark wie in Kanada und doppelt so stark wie in Dänemark oder Norwegen. Zugleich zählen 36 % der deutschen Jugendlichen zum obersten internationalen ESCS-Quartil; deren Naturwissenschaftsmittelwert liegt bei 551 Punkten.
Für die Debatte entscheidend ist eine Differenzierung, die das nationale Konsortium ausdrücklich vornimmt: In der gemeinsamen Betrachtung von sozialer Herkunft, Zuwanderungshintergrund und Geschlecht ist die soziale Herkunft der mit Abstand wichtigste Faktor. Unterschiede nach Zuwanderungshintergrund fallen deutlich geringer aus, sobald soziale Herkunft und weitere Merkmale kontrolliert werden – umgekehrt gilt das nicht. Studienleiter Samuel Greiff hat das in der Kommunikation zugespitzt:
„Die Trennlinie läuft nicht zwischen Jugendlichen mit und ohne Zuwanderungshintergrund, sondern zwischen Jugendlichen aus sozial privilegierten und sozial benachteiligten Familien.“Samuel Greiff, Leiter des deutschen PISA-Teils (ZIB/TUM), dpa
Diese Aussage ist zum meistumkämpften Satz der Woche geworden (siehe Abschnitt 02 und 05).
Schulart, Geschlecht, Unterricht
Die Leistungsabstände zwischen Gymnasium und nicht-gymnasialen Schularten sind größer als fast jeder andere in PISA ausgewiesene Gruppenunterschied. Die Stichprobe verteilt sich auf 36 % Gymnasium, 61 % nicht-gymnasiale Schularten und rund 3 % Berufs- bzw. Förderschulen.
Kompetenzabstand Gymnasium – nicht-gymnasiale Schularten
| Bereich | Gymnasium | nicht-gymnasiale Schularten | Abstand (Punkte) |
|---|---|---|---|
| Naturwiss. | 574 | 446 | 128 |
| Lesen | 552 | 427 | 125 |
| Mathematik | 540 | 430 | 110 |
Zum Vergleich: Der soziale Gradient beträgt 125 Punkte, der Geschlechterunterschied im Lesen 25 Punkte.
Geschlecht: Naturwissenschaften 487 (Jungen) zu 484 (Mädchen) – kein bedeutsamer Unterschied; Lesen 478 (Mädchen) zu 453 (Jungen); Mathematik 469 zu 458 zugunsten der Jungen; modellbasiertes Problemlösen 508 zu 486 zugunsten der Jungen. Der neue digitale Kompetenzbereich reproduziert also die größte Geschlechterlücke der Erhebung.
Unterrichtsqualität fällt im internationalen Vergleich ungünstig aus: Klassenführung und konstruktive Unterstützung durch die Lehrkraft werden von den Schülerinnen und Schülern schlechter eingeschätzt als im OECD-Durchschnitt, nur die kognitive Aktivierung liegt im Mittel. 52 % besuchen Schulen, deren Leitung eine Beeinträchtigung durch Lehrkräftemangel meldet (OECD 39 %) – immerhin ein Rückgang gegenüber 73 % im Jahr 2022.
Kontextbefunde, die die Debatte prägen
- Haltung zur Schule: 33 % stimmen zu, die Schule sei „Zeitverschwendung“ (OECD 24 %), +4,0 Prozentpunkte seit 2022. Der Anteil derer, die sich bei schwierigen Aufgaben besonders anstrengen, sank um 7,9 Punkte auf 64 %.
- Elternhaus: 73 % berichten, mindestens wöchentlich nach der Schule gefragt zu werden (2022: 81 %); 41 % sprechen wöchentlich über Probleme (2022: 57 %). Die Bildungsaspirationen der Eltern liegen unter dem OECD-Durchschnitt.
- Digitales: 1,7 Stunden tägliche Gerätenutzung zum Lernen (wie OECD); 33 % berichten von digitaler Ablenkung im Naturwissenschaftsunterricht (OECD 28 %). An Schulen mit Handyverbot auf dem Gelände – das sind in Deutschland 64 % (OECD 49 %) – ist die Ablenkungswahrscheinlichkeit um rund 22 % geringer.
- KI: 50 % nutzen mindestens wöchentlich KI-Chatbots zum Lernen (OECD 46 %), nur 9 % nie. Die OECD berichtet: Wer KI zum Entwerfen von Texten nutzt, schneidet schlechter ab; unter den Vielnutzenden schneiden diejenigen besser ab, die gelernt haben, KI-Ausgaben auf Qualität zu prüfen. Entscheidend ist laut nationalem Bericht die Qualität des Zugangs, nicht die Häufigkeit der Nutzung.
- Mobbing: 31 % berichten mindestens einige Male pro Monat von einer Mobbingform (OECD 20 %); Cybermobbing-Betroffene (5 %) erzielen 37 Punkte weniger.
- Positiv: Rund drei von vier Jugendlichen fühlen sich ihrer Schule zugehörig – überdurchschnittlich im internationalen Vergleich; Freude und Interesse an Naturwissenschaften sind gegenüber 2015 gestiegen. Unentschuldigtes Fehlen liegt unter dem OECD-Schnitt (14 % vs. 22 % ganze Tage), ist aber gegenüber 2022 gestiegen.
International: Über alle OECD-Staaten sank die Lesekompetenz zwischen 2015 und 2025 um 28 Punkte (rund 1,5 Lernjahre), Mathematik um 22 Punkte. Naturwissenschaften blieben 2022–2025 OECD-weit stabil. Verbessert haben sich seit 2015 u. a. Litauen, die Slowakei, Türkiye, Georgien, Montenegro, Katar, Thailand, die VAE und Uruguay. In den Top 10 aller drei Bereiche: chinesische Teilnehmerregionen, Estland, Japan, Korea, Singapur, Chinesisch Taipei – und das Vereinigte Königreich.
02 · Ebene I Wissenschaftliche Ebene: Ursachendeutungen und Kontroversen
Die wissenschaftliche Kommunikation war in dieser Woche bemerkenswert einheitlich – und genau darin liegt der Streitpunkt. Das nationale Konsortium (Herausgeberschaft: Samuel Greiff, Jennifer Diedrich, Tamara Kastorff, Frank Goldhammer, Olaf Köller) und die OECD lieferten weitgehend deckungsgleiche Deutungen; Widerspruch kam vor allem aus der Fachöffentlichkeit und von Verbänden.
Deutung 1: Kein Corona-Effekt, sondern ein Struktur- und Prioritätenproblem
Greiff argumentiert explizit gegen die beiden naheliegenden Entlastungserzählungen. Zu Corona: Bei PISA 2022 sei sich die Forschungsgemeinschaft über den Pandemieeffekt weitgehend einig gewesen; 2025 sei das Bild differenziert – „es gibt eine Reihe von Staaten, die ihre Ergebnisse zumindest stabilisiert“ oder verbessert hätten. „In Deutschland sehen wir weder das eine noch das andere.“ Seine eigene Erklärung ist politökonomisch:
„Nach PISA 2000 haben wir uns deutlich verbessert, das hat unglaubliche Reformkräfte freigesetzt. Aber seit 10 Jahren beobachten wir einen Knick. Es war offenbar der Eindruck, dass wir jetzt ganz gut dastehen und dass die große Aufholjagd geschafft ist. Und dann wurde das Thema Bildung nicht mehr ganz so wichtig genommen.“Samuel Greiff, dpa / MiGAZIN, 8. September 2026
Zum Vergleichsargument („Estland hat kaum Einwanderung, Kanada selektiert“) hält Greiff entgegen, das sei „die eigentliche Stärke von PISA“: Kanada sei ebenfalls stark föderal, habe nicht einmal ein Bundesbildungsministerium – und steuere dennoch konsequent datengestützt.
Deutung 2: Anspruchsverlust – die OECD-Lesart
OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher setzt einen schärferen Akzent. Seine Kernthese ist nicht Ressourcenmangel, sondern Ambitionsverlust und frühe Sortierung:
„Das Bildungssystem in Deutschland ist ambitionslos geworden. Minderleistungen nimmt man oft einfach so in Kauf.“Andreas Schleicher, WDR 5, 9. September 2026
Er kritisiert, dass Anforderungen abgesenkt statt Unterstützung erhöht werde – „Man sagt jungen Menschen sehr früh: Hat nicht so gut geklappt, geht mal auf eine Schulform, wo das nicht so schwierig ist“ – und bezieht das insbesondere auf Jugendliche mit Migrationshintergrund. Zwei weitere Befunde beunruhigen ihn: ein wachsender Anteil Jugendlicher, die sich im Zweifel „auf mein Bauchgefühl“ statt auf Evidenz verlassen, und die „Erwartungshaltung […], für mittelmäßige Leistungen gute Noten zu bekommen“. Als Referenzsysteme nennt er England (gezielte Mittelverteilung seit rund 20 Jahren, Struktur und Disziplin), Kanada (Migrationshintergrund nach zwei Jahren kaum noch leistungswirksam) und die chinesischen Regionen (11–12 Unterrichtsstunden pro Woche, dafür Zeit für Einzelförderung und kollegiale Unterrichtsentwicklung).
Deutung 3: Lesen als Wurzelursache – und der digitale Rezeptionswandel
Francesco Avvisati (OECD), Autor der deutschen Ländernotiz, betont das Leseverhalten: Der Anteil „flüchtig Lesender“ – Jugendliche, die Texte überfliegen und schnelle, aber falsche Antworten geben – hat sich zwischen 2018 und 2025 nahezu verdoppelt. Bemerkenswert dabei: die stärksten Rückgänge verzeichnete das sozioökonomisch privilegierteste Viertel. Da schwächere Lesekompetenz auch die Ergebnisse in Mathematik und Naturwissenschaften mitbestimmt, leitet die OECD daraus eine inhaltliche Konsequenz ab – weniger Stoff, gründlicher durchdrungen, und ein Unterricht, der von vermeidbaren digitalen Ablenkungen freigehalten wird. OECD-Generalsekretär Mathias Cormann formulierte es so: Die erfolgreichsten Systeme „focus on fewer areas in greater depth, invest in teachers, engage parents and provide targeted support“.
Deutung 4: Die bildungsökonomische Rechnung
Ludger Wößmann (ifo Zentrum für Bildungsökonomik) übersetzt den Befund in Wohlstandsverluste: Den Rückgang allein seit 2022 beziffert er langfristig mit drei bis vier Prozent geringeren Erwerbseinkommen, gegenüber 2018 mit neun bis zehn Prozent. Sein oft zitierter Vergleich: Die heutigen 15-Jährigen liegen auf dem Niveau, das vor gut zehn Jahren 13- bis 13,5-Jährige erreichten. Sein Maßnahmenbündel – höhere Standards, Transparenz durch regelmäßige Tests, mehr Schulautonomie, gezielte Förderung Benachteiligter, verbindliche Sprachtests vor der Schule – ist das im politischen Raum am häufigsten aufgegriffene wissenschaftliche Rezept dieser Woche.
Umstritten: die Rolle der Zuwanderung
Der Befund des Konsortiums – soziale Herkunft dominiert, Migrationseffekte schrumpfen nach Kontrolle deutlich – wurde unmittelbar angegriffen. Cicero-Redakteur Ferdinand Knauss titelte am Erscheinungstag, die „Pisa-Autoren stellen sich blind für die Hauptursache des Bildungsproblems“, und sieht einen „unübersehbaren“ Zusammenhang mit der Asylmigration. Aus den Ländern nennen mehrere Ministerinnen und Minister Zuwanderung als Mitursache, etwa NRW-Schulministerin Dorothee Feller. Fachlich präzise ist der Einwand, der in der Blogdiskussion bei Jan-Martin Wiarda formuliert wurde: Die Leistungsdifferenz zwischen Jugendlichen mit und ohne Zuwanderungshintergrund fällt in Finnland – dem europäischen Referenzland vieler Reformdebatten – nach der OECD-Übersetzung des Band I ähnlich groß aus wie in Deutschland. Die Schlussfolgerung dort: „PISA ist zur Projektionsfläche für vorgefasste Meinungen geworden.“
Bewertung für die weitere Arbeit: Die beiden Aussagen widersprechen sich nicht zwingend. Das Konsortium trifft eine Aussage über relative Erklärungsanteile bei Kontrolle der sozialen Lage; die Kritik zielt auf Bruttodifferenzen und auf die Zusammensetzung der Schülerschaft. Beides sind unterschiedliche Fragen – die politische Debatte behandelt sie als dieselbe. Wer hier sauber argumentieren will, muss Brutto- und Nettodifferenzen sowie Kompositions- und Systemeffekte konsequent trennen.
Umstritten: Kompetenzorientierung versus Fachwissen
Schleichers Verweis auf England hat eine zweite, in Deutschland brisantere Schicht. Die englischen Reformen seit 2010 – dargestellt vom langjährigen Schulminister Nick Gibb – ersetzten einen kompetenzorientierten Lehrplan durch einen wissensorientierten, übernahmen Teile des Singapurer Mathematiklehrplans von 2007 und koppelten dies an eine gezielte Zusatzfinanzierung (rund 1.000 Pfund jährlich pro anspruchsberechtigtem Kind, etwa ein Fünftel der Schülerschaft). Gibbs Argument: „Kompetenzen können nicht unmittelbar unterrichtet werden. Sie sind Ausdruck von erworbenem Fachwissen.“ Diese Linie stützt in Deutschland vor allem der Philologenverband und – vorsichtiger – der Deutsche Lehrerverband, der „eine Lanze brechen“ will „für grundlegendes Fachwissen, das nicht für die Konzentration auf Kompetenzen vernachlässigt werden darf“ (Stefan Düll).
Umstritten: Reichweite und Deutungsmacht von PISA
Ein dritter Strang zielt auf das Instrument selbst. Düll warnt davor, PISA „auf Punktwerte, Ranglisten oder einzelne tagesaktuelle Schlagzeilen zu reduzieren“; die DPhV-Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing spricht von „keinem dramatischen Einbruch, aber auch keiner echten Trendwende“. Armin Himmelrath hat bei Table.Briefings unter dem Titel „Nicht alle naheliegenden Erklärungsansätze sind richtig“ fünf Fehlschlüsse beim Lesen der Studie aufgelistet (Beitrag hinter Paywall, Inhalt hier nicht geprüft). Jan-Martin Wiarda wiederum richtet die Kritik auf die Politik: Das rhetorische Muster „Die Probleme sind gewaltig, aber wir handeln ja, es dauert nur“ sei identisch mit den Reaktionen auf PISA 2022 und – abgeschwächt – 2019.
Fortgeschrieben am 16. September 2026
Die Debatte kippt ins Grundsätzliche
In der Woche nach der Veröffentlichung verlagert sich die fachliche Diskussion von der Deutung der Zahlen zur Frage, was aus ihnen folgen soll — und ob die Antworten nicht längst bekannt sind.
Der Leiter des nationalen Konsortiums meldet sich publizistisch zu Wort. In einem Gastbeitrag vom 10. September argumentiert Samuel Greiff, Abhilfe sei nicht allein Aufgabe der Politik; gefragt sei eine neue gesellschaftliche Haltung zur Bildung. Bemerkenswert ist der Adressatenwechsel: Der Studienleiter richtet sich nicht an die Kultusministerien, sondern an die Gesellschaft.
Ein Kausalbefund zur Schulzeit, der gegen die naheliegende Antwort spricht. Eine Kolumne vom 11. September prüft am britischen Schulreform-Experiment von 1947 — damals wurde die Schulpflicht um ein Jahr verlängert —, was mehr Lernzeit langfristig bringt. Der Zwischenbefund ist ernüchternd: Gerade bei denen mit dem größten Zeitgewinn zeigte sich im Alter kaum ein Effekt auf das Erinnerungsvermögen. Mehr Zeit allein ist keine Antwort — was sie füllt, entscheidet.
Und eine Zuspitzung aus der Hirnforschung: Ein Beitrag vom 13. September fragt, ob man richtig lesen können müsse. Das bestreitet den Befund nicht, sondern stellt seine Bedeutung zur Debatte — die radikalste Position dieser Woche.
Die Fachcommunity trifft sich (16. September)
Am 16. September kam die bundesweite Fachtagung des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien in Berlin zusammen — nach dem Bericht einer Teilnehmerin mit den Studienleitern Samuel Greiff und Frank Goldhammer, Impulsvorträgen zu funktionaler Grundbildung und zu Bildungsungleichheit sowie einer Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bund, Ländern und Schulpraxis. Erklärtes Ziel: die Ergebnisse „jenseits der Schlagzeilen differenziert analysieren“.
Zur Quelle: Die Angaben stammen aus dem öffentlichen Bericht einer Teilnehmerin, nicht aus einer Ankündigung des Veranstalters; eine unabhängige Bestätigung des Programms lag zum Redaktionsschluss nicht vor. Format und Ort entsprechen dem Vorgängerformat zur Erhebung 2022.
Die unbequemste Frage: Warum immer dieselben Forderungen?
Am 15. September erscheint ein Gastbeitrag unter dem Titel „PISA 2003 bis 2025 — wie lange wollen wir dieselben Konsequenzen fordern?“. Der Autor erinnert daran, dass Eltern, Schülerschaft und Gewerkschaft bereits vor 22 Jahren Konsequenzen verlangt haben, und dass sich vieles davon heute erschreckend aktuell liest. Sein Einwand richtet sich nicht gegen die Diagnose, sondern gegen die Wiederholung: Man wisse längst, was sich ändern müsste, und einzelne Schulen zeigten seit Jahren, dass es anders gehe.
Das ist die Metakritik an der Debatte selbst — und sie trifft auch diese Übersicht. Wer Befunde sammelt, ohne zu fragen, warum die Konsequenzen ausbleiben, dokumentiert einen Stillstand, statt ihn zu erklären.
Fortgeschrieben am 25. September 2026
Von der Deutung zur Nachrechnung
Die zweite und dritte Woche verschieben die fachliche Debatte ein weiteres Mal: Es geht nicht mehr darum, was die veröffentlichten Zahlen bedeuten, sondern darum, was in den Rohdaten steht, das der Berichtsband nicht auswertet.
Das FiBS hat dazu am 25. September eine eigene Auswertung der PISA-Mikrodaten aller Zyklen von 2000 bis 2025 vorgelegt — als Forschungspapier, als Übersicht mit 49 Einzelbefunden und auf einer Pressekonferenz. Die tragenden Ergebnisse stehen in Abschnitt 04; hier gehört hin, was sie für die Debatte bedeuten. Drei Punkte berühren Behauptungen, die in den vergangenen zwei Wochen unwidersprochen geblieben sind:
- Die Klassengröße trägt nichts. Hält man Schulform und Zusammensetzung konstant, ist der Zusammenhang zwischen Klassengröße und Kompetenz statistisch nicht von null zu unterscheiden. Das ist keine Entwarnung für die Arbeitsbedingungen — es heißt nur, dass diese Größe die Leistungsunterschiede nicht erklärt.
- Ein Zehntel des Einbruchs hängt an der Gewichtung. Rechnet man die Zeitreihe mit den amtlichen Schulartanteilen statt mit denen der PISA-Stichprobe, fällt Mathematik von 2015 bis 2025 um 38,1 statt um 42,2 Punkte. Der Befund bleibt, er wird um ein Zehntel kleiner.
- Die Pandemie erklärt den deutschen Fall nicht. International hat die Dauer der Schulschließungen, sobald man das Ausgangsniveau von 2018 berücksichtigt, keinen messbaren Zusammenhang mit dem Rückgang. Deutschland liegt bei den Schließungstagen im Mittelfeld und verliert trotzdem mehr, als daraus folgen würde.
Was daran über die einzelnen Zahlen hinausweist: Die Debatte hat zwei Wochen lang mit Größen argumentiert, die im veröffentlichten Bericht stehen. Wer in die Mikrodaten geht, findet Befunde, die einzelne dieser Argumente nicht stützen. Das ist der Normalfall wissenschaftlicher Arbeit — bemerkenswert ist, dass er in einer Debatte dieser Lautstärke so spät einsetzt.
03 · Schwerpunkt Die 13 Handlungsoptionen des nationalen Konsortiums
Anders als frühere Berichtsbände enthält PISA 2025 einen ausformulierten Empfehlungsteil: Zu jedem der vier Berichtsteile werden Handlungsoptionen benannt. Sie sind die inhaltlich belastbarste Empfehlungsgrundlage der Woche – und sie wurden in der politischen Rezeption fast durchgängig auf die drei vom ZIB in der Pressekommunikation hervorgehobenen Punkte verkürzt (frühe Diagnostik und Förderung, datengestützte Lernbegleitung, bedarfsorientierte Schulausstattung).
| Berichtsteil | Nr. | Handlungsoption |
|---|---|---|
| I Kognitive Kompetenzen | 1 | Kompetenzförderung datengestützt steuern und ihre Effektivität kontinuierlich prüfen |
| 2 | Ausreichende Basiskompetenzen für alle Schüler*innen systematisch sichern | |
| 3 | Potenziale kompetenzstarker Schüler*innen systematisch fördern | |
| 4 | Frühe Bildungsprozesse nutzen, um Kompetenzerwerb anzubahnen | |
| II Bildungsungleichheit | 5 | Ressourcen bedarfsorientiert zuweisen |
| 6 | Frühzeitige Diagnostik und Förderung verbindlich und verpflichtend etablieren | |
| 7 | Ganztagsschulen gezielt pädagogisch nutzen | |
| III Sozial-emotionale Merkmale | 8 | Schule als ganzheitlichen Lebens- und Entwicklungsraum gestalten |
| 9 | Naturwissenschaftliche Identität als integralen Bestandteil naturwissenschaftlicher Bildung stärken | |
| IV Kontexte des Lernens | 10 | Schulabsentismus frühzeitig erkennen und pädagogisch begegnen |
| 11 | Lehrkräfteprofessionalisierung an veränderten Anforderungen ausrichten | |
| 12 | Digitale Lernangebote strategisch entwickeln und lernwirksam umsetzen | |
| 13 | Kooperation zwischen Schule, Familie und Sozialraum nachhaltig etablieren |
Wortlaut nach der frei zugänglichen Zusammenfassung des nationalen Berichtsbands (Waxmann 2026, CC BY-SA 4.0). NRW-Schulministerin Feller sprach in ihrer Reaktion von „elf wissenschaftlich gestützten Handlungsoptionen“ – die veröffentlichte Zusammenfassung weist 13 aus.
Was das Konsortium in der Pressekommunikation zuspitzt
- Unterstützungsbedarf früh identifizieren, Kleinkinder gezielt fördern. „Die meisten Lernprobleme beginnen nicht erst in der Schule. […] Vor allem die Kenntnis der Unterrichtssprache ist der Schlüssel zu allen anderen Fächern.“ Erfolgreiche Systeme setzten auf frühe Diagnostik und verbindliche Förderung.
- Lernentwicklung datenbasiert begleiten. Kanada zeige, dass kurze, regelmäßige Tests Lernfortschritt „quasi in Echtzeit“ sichtbar machen – „nicht für mehr Noten, sondern damit Lehrkräfte pädagogisch reagieren können“.
- Schulen nach Unterstützungsbedarf ausstatten. „Wenn Schulen sehr unterschiedliche Herausforderungen bewältigen müssen, dürfen sie nicht alle gleich ausgestattet werden.“
Greiffs Schlusssatz – „Bildungssysteme können sich verändern. Das zeigen viele andere Staaten – und das hat Deutschland nach dem PISA-Schock vor 25 Jahren selbst eindrucksvoll bewiesen“ – wurde in der Berichterstattung fast durchgängig als Entlastungsformel verwendet.
04 · FiBS-Einordnung Abgleich mit den FiBS-Prognoseannahmen
Dieser Abschnitt stellt die Befunde aus PISA 2025 neben die Annahmen, auf denen die FiBS-Prognosen und die FiBS-Kosten-Nutzen-Analyse laufen. Er ist möglich, weil im Haus eine eigene PISA-2025-Prognose lag: Am 14. Juli 2026 wurde aus dem PISA-Erklärmodell Deutschland 2000–2022 (R² 0,91–0,96) ein Szenarienkorridor abgeleitet, dessen Erwartungswerte und Bänder am 8. September 2026 veröffentlicht wurden.
Der Abgleich war bereits vollzogen. Der gesamte Ablauf nach § Ist schlägt Prognose wurde am 8. und 9. September 2026 abgearbeitet – Einspielen, Treffgenauigkeit, Fehlerzerlegung, Umbasierung mit Knicktest. Dieser Abschnitt gibt die Hausbefunde wieder, statt sie erneut herzuleiten. Neu ist allein die Konsequenz in 4.5, die dort offengeblieben ist.
4.1 Der Ablauf nach Ist schlägt Prognose – Stand
| # | Schritt | Stand | Beleg |
|---|---|---|---|
| 1 | Ist einspielen | vollzogen | FiBS-Kanon |
| 2 | Eigene Prognosezeilen für 2025 entfernen | entfällt – es gab keine | gemessen 13.9. |
| 3 | Treffgenauigkeit beziffern | vollzogen | FiBS-Kanon |
| 4 | Umbasieren, Knicktest, Niveau oder Dynamik | vollzogen | FiBS-Kanon |
| 5 | Reichweite bestimmen | teilweise – siehe 4.9 | FiBS-Kanon |
| 6 | Nächste Erhebungen einplanen | dokumentiert | FiBS-Kanon |
Der Store führt PISA-Punktwert mit Status Ist von 2000 bis 2025 und keine Prognosezeilen – Schritt 2 hatte also kein Objekt. Ergänzt sind außerdem PISA Kompetenzstufen, PISA Kompetenzgruppen und PISA Streuung, jeweils für 2025.
4.2 Prognosegüte: die Richtung stimmte, die Bänder hielten einmal
Prognosegüte – veröffentlichte Erwartung gegen Ist
| Größe | Erwartung | Band | Ist 2025 | Abweichung | Lage |
|---|---|---|---|---|---|
| Mathematik – Punktwert | 467 | 464–475 | 463,81 | −3,19 | am Rand |
| Lesen – Punktwert | 477 | 474–487 | 465,28 | −11,72 | verfehlt |
| Naturwiss. – Punktwert | 482 | 479–486 | 485,52 | +3,52 | im Band |
| Mathematik – Risikoanteil | 31,4 % | 29,4–33,4 | 34,45 % | +3,05 pp | verfehlt |
| Lesen – Risikoanteil | 26,3 % | 23,5–27,5 | 31,52 % | +5,22 pp | verfehlt |
| Naturwiss. – Risikoanteil | 25,9 % | 24,8–26,8 | 26,83 % | +0,93 pp | am Rand |
Bilanz des Kanons: Richtung 6 von 6 richtig – im Band 1 von 6, am Rand 2 von 6, Band verfehlt 3 von 6. Die Ist-Werte stammen aus der eigenen Mikrodatenauswertung und weichen daher leicht von den gerundeten OECD-Veröffentlichungswerten (464 / 465 / 486) ab.
Das Modell hat in allen sechs geprüften Größen die Richtung richtig vorhergesagt – kein einziger Vorzeichenfehler. Es hat aber in fünf von sechs Fällen die Größenordnung verfehlt oder nur knapp gehalten, und der Fehler ist systematisch einseitig: Der Risikoanteil wurde in allen drei Domänen unterschätzt, um 0,93 bis 5,22 Prozentpunkte. Die Prognose war, im Wortlaut des Kanons, „zu freundlich, nicht zu pessimistisch“.
Der größte Fehlschlag liegt beim Lesen: Punktwert 11,7 Punkte über dem Ist, Risikoanteil 5,2 Prozentpunkte zu niedrig. Die Ursache ist im Modell benennbar. Es führte für das Lesen mit slope_spaet = −1,13 Punkte pro Jahr den flachsten der drei strukturellen Slopes – Lesen galt als die stabilste Domäne und der Einbruch als ausgelaufen. Diese Annahme war falsch.
Das ist kein deutscher Sonderfall: Die OECD weist für 2015–2025 einen Rückgang der Lesekompetenz um 28 Punkte gegenüber 22 in Mathematik aus. Der Mechanismus, den das Modell nicht kennen konnte, steht erstmals in PISA 2025 – der Anteil „flüchtig Lesender“ hat sich zwischen 2018 und 2025 nahezu verdoppelt.
4.3 Die Fehlerzerlegung: nicht nur der Mittelwert, auch die Form
Der eigentliche methodische Befund steckt in der Zerlegung des Fehlers. Rechnet man die unterstellte starre Verschiebung der Verteilung am tatsächlichen Mittelwert nach, ergeben sich Risikoanteile von 33,4 % (Mathematik), 29,9 % (Lesen) und 24,8 % (Naturwissenschaften) – gemessen wurden 34,0, 32,0 und 27,0 %. Der Restfehler von +0,6, +2,1 und +2,2 Prozentpunkten geht nicht auf die Mittelwertprognose zurück, sondern auf die Annahme unveränderter Verteilungsform. Sie hat in allen drei Domänen in dieselbe Richtung versagt.
Der Beleg ist die Streuung selbst: Sie ist 2025 in allen drei Domänen gestiegen – Mathematik 94,7 → 98,4, Lesen 105,9 → 109,7, Naturwissenschaften 106,4 → 109,3. Die Verteilung ist also breiter geworden, nicht nur nach unten gerutscht. Damit ist die Annahme der starren Verschiebung für künftige Fortschreibungen widerlegt.
Nicht verwechseln: Die im Prognosepapier verwendeten σ-Werte 104,7 / 112,7 / 111,6 sind die Modellkalibrierung, nicht die gemessenen Standardabweichungen des Jahres 2022 (94,7 / 105,9 / 106,4).
4.4 Umbasierung und Knicktest
Die Zielpfade sind umbasiert, mit dem von der Regel verlangten Urteil je Domäne: Mathematik nur Dynamik (Niveauversatz 3,0 Punkte, Steigungsversatz 1,22 pro Jahr), Naturwissenschaften nur Dynamik (4,0 und 1,55), Lesen Niveau und Dynamik (12,0 und 2,39).
| Domäne | alt: slope_spaet | neu gemessen 2012–2025 | Knicktest 2025→2028 alt | neu |
|---|---|---|---|---|
| Mathematik | −2,79 | −4,01 | −5,7 | −12,0 |
| Lesen | −1,13 | −3,52 | +8,2 | −10,5 |
| Naturwissenschaften | −4,36 | −2,81 | −20,2 | −8,4 |
Der auffälligste Einzelbefund ist der Knick im Lesen: Die alte Fortschreibung hätte das Lesen von 465 im Jahr 2025 auf 473 im Jahr 2028 steigen lassen. Und die Umbasierung macht die Lücke größer, nicht kleiner: Bis 500 Punkte im Jahr 2040 fehlen jetzt 96 statt 75 Punkte in Mathematik und 88 statt 40 im Lesen; nur in den Naturwissenschaften schrumpft sie von 86 auf 56. Die erforderliche Rate ab 2025 liegt bei +6,41, +5,85 und +3,74 Punkten pro Jahr – gegen ein historisches Maximum von +1,88.
4.5 Die gezogene Konsequenz: die Bezifferung steht jetzt auf dem gemessenen Slope
Hier liegt der einzige Punkt, den dieser Abgleich hinzufügt. Die Umbasierung betrifft die Zielpfade. Derselbe Parameter slope_spaet speist über die Bezifferung in der Kompetenzkanal-Vorlage auch die fiskalischen Größen des Kompetenzkanals – der Kanal selbst führt keinen Slope, er friert nach 2024 ein. In jener Bezifferung stand bis zum 13.09.2026 −2,79 für Mathematik, wo jetzt −4,01 gemessen ist, also ein um den Faktor 1,44 zu flacher Wert.
Damit ist der Kanal doppelt konservativ: zu flacher Slope und der im Hindcast gemessene systematische Faktor 0,77, der bewusst nicht wegkalibriert wurde. Die Bezifferung des Baseline-Fehlers wurde deshalb am 13.09.2026 auf den gemessenen Slope −4,01 umgestellt: Studienberechtigung −11,72 statt −8,36 Prozentpunkte bis 2040, −11.862 € statt −8.331 € je Kopf, −8,1 Mrd. € statt −5,7 Mrd. € für die Kohorte 2040. Untergrenzen bleiben es auch danach, weil der Faktor 0,77 weiterhin nicht wegkalibriert ist.
Vorgelegt am 13.09.2026 – und entschieden. Der Kanal läuft auf dem IQB-Pfad und darf nicht auf PISA umgestellt werden; betroffen war allein der Parameter der Bezifferung. Er ist auf Weisung umgestellt worden; die Neuberechnung reproduziert zuvor die alten Werte und bricht ab, wenn sie sie nicht trifft.
Beides wirkt in dieselbe Richtung. Die projizierte Strukturverschiebung 2024 → 2040 – nach der Umstellung Studienberechtigung −11,72 Prozentpunkte, Hauptschulabschluss +8,07 – und die daraus abgeleiteten −11.862 € fiskalischer Nettobarwert je Kopf beziehungsweise −8,1 Mrd. € für die Kohorte 2040 sind auch danach eher Untergrenzen als mittlere Erwartungen.
Kein Umbasierungsvorschlag. PISA und IQB lassen sich nicht bruchfrei zu einer Reihe fügen; der Kanal darf nicht auf PISA umgestellt werden. Der Befund betrifft ausschließlich den Parameter, der aus dem PISA-Modell stammt – und dieser ist nach § Ist schlägt Prognose prüfpflichtig geworden.
4.6 Wo PISA 2025 die FiBS-Position stützt
- Die Trendwende liegt vor Corona. Das eigene Länderpanel misst für PISA-E im Lesen +2,02 Punkte pro Jahr für 2000–2006 gegen −2,04 für 2009–2022. Schleicher sagt 2026 dasselbe: Der Abfall habe „schon 2015 begonnen“. Zwei unabhängige Wege, ein Ergebnis.
- Corona ist nicht der Treiber. Das Panel findet zwischen Präsenzanteil 2020/21 und Kompetenzdelta 2016–2021 keinen Zusammenhang (r = +0,27 im Lesen, +0,08 in Mathematik, n = 10) und bestätigt damit das FiBS-Gutachten für die Corona-Enquete. Greiff argumentiert 2026 genauso.
- Die Größe der Risikogruppe in Mathematik. Der IQB-Bildungstrend 2024 weist 34,1 % unter dem Mindeststandard MSA aus, PISA 2025 weist 34 % unter Kompetenzstufe II aus. Zwei Erhebungen, verschiedene Skalen, verschiedene Populationen, praktisch derselbe Wert. Das ist ein Kohärenzbefund, keine Validierung – aber ein bemerkenswerter.
4.7 Wo PISA 2025 und die FiBS-Evidenz auseinanderzugehen scheinen
Das Konsortium stellt fest, die soziale Herkunft sei der mit Abstand wichtigste Faktor, Migrationseffekte schrumpften nach Kontrolle deutlich. Das eigene Länderpanel kommt zum scheinbar gegenteiligen Schluss: Von den klassischen Faktoren übersteht nur Migration die Länder- und Wellen-Fixed-Effects; Armut, Sprache und sozioökonomischer Status brechen weg.
Der Widerspruch ist keiner, und die Auflösung ist für die öffentliche Debatte dieser Woche der nützlichste Satz des ganzen Abgleichs: Die beiden messen Verschiedenes. PISA erklärt Unterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern in einem Querschnitt. Das Panel erklärt Unterschiede in der Entwicklung zwischen Ländern über die Zeit. Armut und Sozialstatus sind dort Niveaugrößen – sie erklären, warum Länder verschieden hoch liegen, nicht warum sie sich verschieden entwickeln. Beide Aussagen können gleichzeitig zutreffen. Wer sie gegeneinander stellt, verwechselt Quer- und Längsschnitt – genau der Fehler, der die Migrationsdebatte dieser Woche durchzieht (vgl. Abschnitt 02).
Mit einer Einschränkung, die das Haus selbst führt: Seit der Umstellung auf den Armuts-Kanon hält der Armutsbefund an der ESA-Schwelle die 5-Prozent-Schwelle nicht mehr (Permutationstest p von 0,0155 auf 0,0970). Die Abschwächung ist als Messfehler ausgewiesen, nicht als schwächerer Zusammenhang.
4.8 Der Konsens der Woche trifft auf eine dünne deutsche Evidenzbasis
Die breiteste Übereinstimmung dieser Woche – frühe Bildung, verbindliche Diagnostik und Förderung, Handlungsoptionen 4 und 6 – ist zugleich die Stelle, an der die eigene Evidenzlage am dünnsten ist. Das Panel findet für die U3-Betreuungsquote within-Land einen positiven Koeffizienten (+0,91), weist ihn aber ausdrücklich als nicht zitierfähig aus: Er beruht auf einem einzigen signifikanten Modell bei bis zu 144 Tests, von denen rund sieben Zufallstreffer zu erwarten wären. Belastbar sind dort nur zwei Befunde mit mehreren konsistenten Treffern – Migration und der Anteil der Lehrkräfte unter 30 Jahren.
Hinzu kommt der Satz aus der Entscheidungsvorlage, der beim Zitieren von Wirkungsgrößen mitgehört werden muss: Für alle Schulparameter der Evidenzdatenbank ist die Zahl der deutschen Belege null. Das entwertet die Empfehlung nicht – es benennt, woran eine Wirkungsprognose derzeit hängt. Und es erklärt, warum die unbequemste Forderung der Woche, die von Arbeitgeberpräsident Dulger nach einer Wirksamkeitsprüfung vorhandener Programme, intern ein Pendant hat: 17 der 26 Kostensätze in massnahmen.py tragen ausschließlich „Näherung“ oder „editierbar“ und sind damit nicht prüfbar.
4.9 Was offen bleibt
- Der Kompetenzkanal. Ob slope_spaet dort auf den neu gemessenen Wert gehoben wird, ist eine Entscheidung mit Reichweite C – sie verschiebt die Baseline aller cba.py-Läufe. Bis dahin gilt: Die ausgewiesenen CBA-Nutzen sind Untergrenzen.
- Veröffentlichte Artefakte. Policy Paper 011 und der zugehörige Artikel tragen noch die Prognosezahlen und sind auf das Ist umzustellen (offener Punkt).
- Die widerlegte Formannahme. Die starre Verschiebung darf in künftigen Fortschreibungen nicht unbesehen wiederverwendet werden – das betrifft jede Übersetzung eines Punktziels in einen Risikoanteil.
- Nächste Erhebungen. PISA-Fremdsprachen im April 2027, „Learning in the Digital World“ im Mai 2027; die nächste belastbare Primar-Aktualisierung erst mit IGLU 2026 im Dezember 2027 – und weiterhin nur für Deutschland insgesamt.
Grundlage dieses Abschnitts sind die eigene PISA-2025-Prognose vom 14. Juli 2026, der Prognosegüte-Kanon zum Abgleich mit dem Ist, die Entscheidungsvorlage zum Kompetenzkanal der Kosten-Nutzen-Analyse (2.9.2026), das Memo zu Kompetenzbasis und Grenzen (2.8.2026) sowie die Parameter- und Szenariendateien des PISA-Erklärmodells. Die Fortschreibung vom 25. September beruht auf der eigenen Auswertung der PISA-Mikrodaten 2000 bis 2025.
Korrekturvermerk. Dieser Abschnitt ist zweimal korrigiert worden. Die erste Fassung verglich das Ist mit dem jeweils am besten passenden der drei Szenarien und urteilte, Mathematik und Naturwissenschaften seien „getroffen“ – maßgeblich sind aber die veröffentlichten Erwartungswerte und Bänder. Die zweite Fassung stellte den Abgleich als offene Aufgabe dar, obwohl der gesamte Ablauf am 8. und 9.9.2026 bereits vollzogen war. Beide Fehler haben dieselbe Ursache: Die Bestandsprüfung war gefahren, ihre Ausgabe aber nicht vollständig gelesen.
Fortgeschrieben am 25. September 2026
4.10 Was seither gerechnet wurde — und was es an den Annahmen ändert
Der Abgleich oben prüft die eigene Prognose am Ist. Zwischen dem 19. und dem 24. September ist etwas anderes dazugekommen: eine Auswertung der PISA-Mikrodaten selbst, über alle Zyklen von 2000 bis 2025, mit den Replikationsgewichten der Erhebung und einschließlich des Linkfehlers zwischen den Zyklen. Sie ist am 25. September veröffentlicht worden. Vier Ergebnisse berühren die Annahmen, auf denen die Prognosen laufen.
Erstens: Schulen mit gleicher Schulform und fast gleicher Schülerschaft unterscheiden sich um ein volles Schuljahr. Paart man Schulen innerhalb von Schulform und Zyklus nach sozialem Index, Zuwanderungsanteil und Familiensprache, liegt der Unterschied der Schulmittelwerte im Median bei 21,7 bis 25,4 Punkten — das Hausmaß für ein Schuljahr sind 25. Ein Teil davon ist Stichprobenrauschen: Bei rund dreißig Getesteten je Schule hat ein Schulmittelwert einen Standardfehler von 15 bis 16 Punkten. Die Zerlegung trennt beides und lässt 18,1 bis 24,9 Punkte echten Unterschied stehen; der Rauschanteil sinkt über die Zyklen von 44 auf 26 Prozent. Eine Gegenprobe auf zweitem Weg — Halbierung der Getesteten je Schule, Korrelation der Hälften — bestätigt, dass der Schulmittelwert gut gemessen ist.
Zweitens: Was diesen Unterschied ausmacht, lässt sich zu knapp drei Zehnteln benennen — und die Ressourcenseite trägt davon fast nichts. Dreizehn Schulmerkmale erklären zusammen 27,5 Prozent der echten Differenz. Davon entfallen auf Klima und Beziehung 12,0, auf die Laufbahn 9,8 und auf Personal und Ausstattung 2,5 Prozent. Belastbar sind drei Einzelgrößen: das Zugehörigkeitsgefühl der Jugendlichen (+8,9 Punkte je Standardabweichung), der Anteil mit Klassenwiederholung (−5,4) und die soziale Heterogenität in der Schule (−5,3). Die Klassengröße liegt bei −0,1 Punkten je Standardabweichung. Rund 72 Prozent bleiben offen.
Drittens: Eine gute Schule ist für alle eine gute Schule. Bildet man den bereinigten Schulwert getrennt für die untere und die obere soziale Hälfte derselben Schule — zwei getrennte Schülergruppen, deren Messfehler damit unabhängig sind —, korrelieren beide Hälften nach Messfehlerkorrektur im Mittel mit 0,96. Der Abstand zu eins ist nicht messbar. Und die Streuung des Schulwerts ist in beiden Hälften praktisch gleich groß. Schulqualität wirkt nicht selektiv.
Viertens: Der gemessene Rückgang hängt zu einem Zehntel an der Gewichtung und zu einem Viertel an der Zusammensetzung. Mit den amtlichen Schulartanteilen gerechnet fällt Mathematik von 2015 bis 2025 um 38,1 statt um 42,2 Punkte. Hält man zusätzlich die Zusammensetzung nach Zuwanderungsstatus und Familiensprache auf dem Stand von 2015 fest, bleiben von den 42,2 Punkten noch 31,8 — ein Kompositionsanteil von 24,6 Prozent in Mathematik, 30,2 im Lesen und 58,2 in den Naturwissenschaften.
Und zur Pandemie, weil sie in der Debatte durchgängig als Erklärung geführt wird: Bei konstanter Zusammensetzung verliert Mathematik zwischen 2018 und 2022 23,6 Punkte — der einzige statistisch gesicherte Bruch der Reihe —, zwischen 2022 und 2025 dagegen nur 6,7, und das nicht gesichert. Der Bruch liegt also im Pandemiefenster. International trägt die Schließungsdauer trotzdem nichts: Roh korreliert sie mit dem Rückgang, nach Kontrolle des Ausgangsniveaus bleibt nichts übrig — Länder mit langen Schließungen lagen schon 2018 niedriger. Deutschland verliert bei 182 Schließungstagen (Rang 103 von 210) rund 12 Punkte mehr, als seine Schließungsdauer erwarten ließe.
Was daraus für die Annahmen folgt
Die Prognosekette rechnet mit Ländern, Schulformen und Jahrgängen. Der stärkste gemessene Unterschied liegt aber zwischen Schulen derselben Form mit derselben Schülerschaft — und er ist zu knapp drei Vierteln nicht durch beobachtete Merkmale erklärt. Für die Bezifferung heißt das zweierlei. Der Hebel „Schulqualität“ ist real und wirkt auf alle Gruppen gleich, er ist aber mit den Größen, die eine Prognose führt, nicht adressierbar. Und die Umgewichtung auf die amtliche Schulartstruktur senkt den zu erklärenden Rückgang um ein Zehntel, ohne die Richtung zu ändern: Die Kernaussage — der Einbruch findet innerhalb der Schulformen statt — bleibt bestehen.
05 · Ebene II Politische Ebene: Bund, Länder, Fraktionen
Bund und Länder traten am 8. September gemeinsam auf – mit einer gemeinsamen Pressemitteilung unter dem Titel „Deutschland muss mehr können – Bund und Länder setzen auf gemeinsame Trendumkehr“. Die Botschaft war doppelt: Betroffenheit plus Verweis auf bereits laufende Reformen.
Bund · BMBFSFJ
Karin Prien (CDU), Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
„Die Ergebnisse von PISA 2025 sind für Deutschland dramatisch.“ Zugleich: „Anders als beim PISA-Schock 2000 haben wir heute einen Plan, jeder in seiner Verantwortung. Anders als damals kennen wir heute die Antworten und müssen sie konsequent und nachhaltig umsetzen.“ Gegenüber dpa: „Es nützt aber nichts, darüber zu lamentieren.“
Maßnahmen: Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz (SCQEG) für die Kitas, frühe Erkennung von Förderbedarfen, Sprachstandsfeststellung, Startchancen-Programm, DigitalPakt 2.0, QuaMath, Ganztagsausbau, Lehrkräftebildung, gemeinsame Bund-Länder-Roadmap. Ausdrücklich gegen einen Sondergipfel: „Dafür braucht es keinen kurzfristigen Aktionismus, sondern einen langfristigen gemeinsamen Kurs.“
Bund · Bundeskanzleramt
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler – Generaldebatte, 9. September
Die Ergebnisse seien „ernüchternd“. Er bot den Ländern „eine große Kraftanstrengung“ an, betonte aber: Bildung und Erziehung könne man „nicht an den Staat outsourcen“, auch die Familien hätten Verantwortung.
Wirkung: Dieser Satz wurde zum politischen Konfliktpunkt der Woche – und zur Bruchlinie zwischen einer individualisierenden und einer institutionellen Ursachenzuschreibung.
Länder · BMK-Präsidentin
Anna Stolz (Freie Wähler), Bayerns Kultusministerin
„Die Ergebnisse von PISA 2025 sind inakzeptabel, kommen nach den vergangenen Bildungsstudien aber nicht überraschend.“ Eine Trendumkehr brauche „konsequentes Handeln und auch einen langen Atem“.
Bayern: sechs zusätzliche Wochenstunden Deutsch und Mathematik in der Grundschule, verbindliche Sprachstandserhebung rund eineinhalb Jahre vor Einschulung mit anschließender Pflichtförderung, wissenschaftsbasierte Diagnostik. Prüfauftrag: Lehrkräftebildung.
Die Länder: Verweis auf laufende Programme – mit unterschiedlichen Akzenten
| Land / Person | Bewertung | Konkrete Maßnahme oder Akzent |
|---|---|---|
| NRW · Dorothee Feller (CDU) | „erschreckend schwach“ | Schulkompass NRW 2030: mehr Deutsch und Mathematik, verbindliche Lesezeiten, Lernstandserhebungen, datengestützte Schulentwicklung, gezielte Förderung belasteter Schulen. Nennt Corona-Nachwirkungen und Zuwanderung als Einflussfaktoren; warnt: mindestens zehn Jahre bis zur Wirkung. |
| Baden-Württemberg · Andreas Jung (CDU) | trifft „bis ins Mark“ | Stellt den Diagnosezeitpunkt infrage: ob Sprach- und Entwicklungsstände „noch früher“ als im Schnitt mit 4,3 Jahren erfasst werden können. 30 % der Kinder im Land seien nicht ausreichend auf den Schulstart vorbereitet. |
| Rheinland-Pfalz · Ute Eiling-Hütig (CDU) | „klarer Weckruf“ | Beschleunigung laufender Maßnahmen: frühkindliche Bildung, frühe Sprachstandserhebungen, Ausbau Naturwissenschaften und Informatik. Verknüpft PISA mit dem geplanten Verbot privater Handynutzung während der Schulzeit. |
| Hessen · Armin Schwarz (CDU) | „alarmierend“ | Bildungschancenpaket: zusätzliche Deutschstunde in Klasse 1, Lesezeiten, Matheförderstunden, neues Fach „KI und Digitale Welt“, Smartphone-Schutzzonen. |
| Schleswig-Holstein · Dorit Stenke (CDU) | „ganz und gar nicht zufriedenstellend“ | Deutet gesellschaftlich: „Ausdruck einer Gesellschaft, die zunehmend unter Druck steht“ – psychische Belastungen, Heterogenität, veränderte Mediennutzung. |
| Brandenburg · Gordon Hoffmann (CDU) | „dringender Handlungsbedarf“ | Stärkung von Lesen, Schreiben, Rechnen; mehr Lernzeit; frühere Sprachförderung. |
| Saarland · Christine Streichert-Clivot (SPD) | gesellschaftliches Risiko | Kita-Beitragsfreiheit ab 1.1.2027, Leseband und künftig Matheband, zusätzliche Stellen. „Wir müssen weg vom Gießkannenprinzip bei der Schulfinanzierung.“ Fahrplan: Überprüfung des Bund-Länder-Kurses in der BMK im Oktober, erster Gesamtstand zu verbindlichen länderübergreifenden Bildungszielen im Dezember. |
Streichert-Clivot fügt die demokratietheoretische Zuspitzung hinzu, die über die reine Bildungsdebatte hinausweist: Wer zu viele Jugendliche ohne Rüstzeug entlasse, öffne „extremistischen Kräften zusätzliche Möglichkeiten“. Zugleich formuliert sie den offenen Bund-Länder-Konflikt: Beim SCQEG bleibe der Bund „hinter den gemeinsamen Erwartungen der Länder zurück und will zugleich die Anforderungen erhöhen“ – „Man kann nicht immer mehr Standards verlangen und sich gleichzeitig perspektivisch aus der Finanzierung zurückziehen.“
Die Fraktionen
SPD-Bundestagsfraktion
Saskia Esken (Berichterstatterin schulische Bildung), Dagmar Schmidt (stellv. Fraktionsvorsitzende)
Esken: „erneut ein Weckruf“; Deutschland liefere „allenfalls Mittelmaß“. Schmidt fordert ein Krisentreffen von Bund, Ländern und Kommunen: „Bildungsföderalismus darf keine Ausrede für Stillstand sein.“
Konkret: Startchancen-Programm (1 Mrd. € Bundesmittel jährlich über zehn Jahre) erreicht derzeit rund 10 % der Schulen – Ausbau auf 30–50 % über einen höheren Beitrag „sehr hoher Vermögen und Erbschaften“; Fokus auf Lesen und Rechnen; Ganztagsanspruch als Förderzeit; Kita-Qualitätsstandards, frühe Entwicklungsstandserhebung; perspektivisch beitragsfreie Kita. Bildungsgipfel gefordert – gegen die Linie der eigenen Ministerin.
Bündnis 90/Die Grünen
Anja Reinalter (bildungspolitische Sprecherin), Fraktionsfachtext vom 8. September
Die Ergebnisse zeigten, „wie ungerecht die Chancen in unserem Bildungssystem verteilt sind“. Kritik am „Wettbewerbsföderalismus“, der eine Bildungspolitik „aus einem Guss“ verhindere.
Konkret: Nationale Bildungsoffensive mit verbindlichen nationalen Bildungszielen; Aufstockung des Bund-Länder-Kita-Pakts statt Kürzung; Ausbau des Startchancen-Programms auch in den ländlichen Raum; mehr Mittel für Ganztag; altersgerechte Regulierung sozialer Medien plus Nationaler Medienkompetenzfonds; Einführung einer Schüler-ID und eines Bildungsverlaufsregisters.
Die Linke
Nicole Gohlke (stellv. Fraktionsvorsitzende), Heidi Reichinnek (Fraktionsvorsitzende)
Gohlke direkt gegen Merz: „Merz will PISA-Verantwortung ins Wohnzimmer abschieben.“ – „Es ist zynisch, wenn die Bundesregierung Familien erst mit Lehrkräftemangel, Unterrichtsausfall, überfüllten Klassen und fehlender Förderung alleinlässt und ihnen dann mangelndes Bildungsinteresse unterstellt.“
Konkret: dauerhaft auskömmliche Finanzierung von Kitas und Schulen, ausreichend Personal, guter Ganztag für alle, Abschaffung des Kooperationsverbots.
AfD
Martin Reichardt (bildungs- und familienpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion); Landesebene: Hans-Peter Hörner (BW), Christian Blex (NRW)
Reichardt fordert einen nationalen Bildungsgipfel von Bund und Ländern und eine Konzentration auf Lesen, Schreiben, Rechnen. Auf Landesebene wird PISA durchgängig migrationspolitisch gerahmt („Zeugnis gescheiterter Migrationspolitik“, Blex).
Argumentationsfigur gegen das Konsortium (Hörner): „Wer Migration aus der PISA-Debatte herausdefiniert, macht es sich zu einfach. […] Migration, Sprachkompetenz und soziale Lage sind keine voneinander unabhängigen Größen.“ Zugleich Ablehnung zusätzlicher Medienbildungsstunden in der Grundschule: „KI-Kompetenz ersetzt keine Lesekompetenz.“
Bundesregierung · Integrationsbeauftragte
Natalie Pawlik (SPD)
„Pisa zeigt erneut: In Deutschland entscheiden soziale Herkunft und familiäre Lebensbedingungen stärker als in anderen Ländern über den Bildungs- und Lebensweg eines Kindes.“
Konkret: verpflichtendes letztes Kita- oder Vorschuljahr, verbindliche Sprachstandserhebungen, Zugang geflüchteter Kinder zu Kita und Schule bereits während des Asylverfahrens.
Die vier politischen Konfliktlinien der Woche
- Gipfel oder Kurs. SPD-Fraktion und AfD fordern (aus unterschiedlichen Motiven) einen Bildungsgipfel; Prien lehnt „kurzfristigen Aktionismus“ ab und verweist auf die Bund-Länder-Roadmap „Bessere Bildung“. Der Kanzler bietet den Ländern eine „Kraftanstrengung“ an, ohne Format zu nennen.
- Verantwortungszuschreibung Staat oder Elternhaus. Merz’ „Outsourcing“-Satz kollidiert mit dem PISA-Befund, dass gerade die starke Abhängigkeit vom Elternhaus das Problem ist. Schleicher stützt den Elternpunkt inhaltlich – allerdings mit anderer Stoßrichtung (Wertschätzung von Lernen, nicht Hausaufgabenbetreuung).
- Kita-Finanzierung. Das SCQEG ist der akute Bund-Länder-Streitpunkt: Länder werfen dem Bund vor, weniger Geld bei höheren Auflagen zu geben; Prien verweist auf acht Jahre Planungssicherheit.
- Migration als Erklärung. Von den Ländern teils benannt, vom Konsortium relativiert, von der AfD zentral gesetzt.
Fortgeschrieben am 16. September 2026
Was nach der ersten Woche kam — und was nicht
Auffälliger als das, was die politische Ebene in den Tagen nach dem 10. September vorgelegt hat, ist das, was ausblieb. Keine Maßnahme dieser Tage antwortet auf den Leistungsbefund.
Die einzige einschlägige Ankündigung stammt aus Nordrhein-Westfalen (15. September): Das Land weitet die Medienscouts aus — 8.500 Scouts und 3.600 Beratungsfachkräfte an mehr als 1.300 Schulen, mit erhöhter Förderung und neuen Zielen. Das ist Medienkompetenz und damit eine Antwort auf den Bildschirmzeit-Strang der Debatte, nicht auf die Basiskompetenzen.
Das ist kein Vorwurf an ein einzelnes Land — bildungspolitische Vorhaben entstehen nicht binnen einer Woche. Aber es markiert den Punkt, an dem sich entscheidet, ob aus einem Befund ein Vorhaben wird, und dieser Punkt liegt noch vor uns. Der nächste gesetzte Termin ist der bundesweite Bildungsprotesttag am 19. September.
Fortgeschrieben am 25. September 2026
Die erste belastbare Festlegung kommt nicht aus der Bildungspolitik
Zwei Wochen nach der Veröffentlichung liegt immer noch kein Programm vor, das auf den Leistungsbefund antwortet. Was stattdessen entstanden ist, kommt aus zwei anderen Richtungen — und beides wiegt schwerer als jede Ankündigung dieser Tage.
Arbeitgeber und Gewerkschaften legen ein gemeinsames Papier vor (22. September). Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Deutsche Gewerkschaftsbund haben in Berlin ihre Bildungskonferenz unter dem Titel „Gemeinsam für bessere Bildung!?“ abgehalten und dazu ein gemeinsames Impulspapier veröffentlicht. Es fordert, die öffentlichen Bildungsausgaben gezielt und wirksam zu erhöhen, und setzt eine Zielmarke: Bis 2035 soll die Zahl junger Menschen deutlich sinken, die die Basiskompetenzen nicht erreichen, keinen Schulabschluss oder keinen Berufsabschluss haben. Dazu zehn Handlungsschwerpunkte — von der Sicherung der Schulpflicht über den Ausbau frühkindlicher Bildung und die qualitative Umsetzung des Ganztags bis zur Modernisierung der beruflichen Schulen.
Das ist die bislang präziseste Festlegung der gesamten Debatte: ein Ziel, ein Jahr, zehn Wege — und getragen von zwei Verbänden, die sonst selten gemeinsam auftreten. Es ist zugleich eine Antwort auf die Frage, die in der ersten Woche auf allen Ebenen gestellt wurde: wer an einen Tisch muss. Auf der Konferenz wurde der Kanzler mehrfach mit seinem Ruf nach einer „großen Kraftanstrengung“ für Bildung vom 9. September zitiert; die Bundesbildungsministerin stellte die Verbindung zu den laufenden Haushaltsberatungen her. Damit ist benannt, woran sich das Vorhaben messen lassen wird.
Und ein Gericht verschiebt die Lasten (17. September). Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass selbst geleistete Mehrarbeit von Lehrkräften und Schulleitungen ohne Anordnung keinen Ausgleichsanspruch begründet (Az. 2 C 19.25); wer die Aufgaben nicht in der Dienstzeit schafft, muss die Überlastung anzeigen und gegebenenfalls Aufgaben zurückstellen. Die Vorinstanz hatte dem klagenden Grundschulleiter 31.435,59 Euro zugesprochen. Das ist keine Bildungspolitik, aber es wirkt wie eine: Es macht die Überlastungsanzeige zum vorgeschriebenen Weg — und zwar an derselben Stelle, an der die Programme der PISA-Woche umgesetzt werden sollen.
Was die Länder in diesen Tagen vorgelegt haben
Aus Nordrhein-Westfalen kommt am 24. September der Plan, Schulen mehr Möglichkeiten zu geben, auf massive Störungen und Gewalt zu reagieren — Schülerinnen und Schüler sollen unter anderem länger vom Unterricht ausgeschlossen werden können. Fachleute warnen vor der Ausschlusswirkung. Auch das ist eine Antwort auf einen Strang der Debatte, nicht auf den Leistungsbefund.
International markiert Italien die Gegenrichtung: Die Regierung hat ein Schuldekret auf den Weg gebracht, das den Anteil von Schülerinnen und Schülern mit unzureichenden Sprachkenntnissen je Klasse begrenzen und den Spracherwerb ausbauen soll. Der in der deutschen Diskussion zitierte Deckel von 30 Prozent ließ sich zum Redaktionsschluss nicht unabhängig bestätigen; gesichert ist, dass eine Obergrenze vorgesehen ist.
06 · Ebene III Gesellschaftliche Ebene: Verbände, Wirtschaft, Zivilgesellschaft
Auffällig ist die Aufgabenteilung: Die Lehrkräfteverbände dämpfen die Skandalisierung und verschieben die Zuständigkeit nach vorn (Vorschule) und nach außen (Gesellschaft, Politik). Die Gewerkschaft, die Zivilgesellschaft und die Wirtschaft eskalieren – mit gegensätzlichen Begründungen.
Deutscher Lehrerverband
Stefan Düll, Präsident
„Diese Befunde dürfen nicht relativiert werden.“ Zugleich: „Deutschland darf weder in Alarmismus noch in Selbstzufriedenheit verfallen.“ PISA sei „ein wichtiges Diagnoseinstrument, aber nicht der alleinige Maßstab“.
Forderungen: verbindliche Sprachstandsdiagnostik vor Schuleintritt, gezielte Förderung und Spitzenförderung, ausreichend qualifiziertes Personal, Stärkung der Lehrkräftebildung, verlässliche Investitionen. Eigener Akzent: Schutz der kontinuierlichen Unterrichtszeit vor „Projekten und Aktionen“ – und eine Aufwertung des Fachwissens gegenüber reiner Kompetenzorientierung.
Deutscher Philologenverband
Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende
„Schluss mit Schuldzuweisungen“ an Schulsystem und Lehrkräfte. „Bildungsgerechtigkeit und Leistungsorientierung sind keine Gegensätze, sie bedingen einander.“
Acht Forderungen: verbindliche vorschulische Sprachdiagnose und -förderung; Förderung vertieften Lesens und fachlicher Tiefe; Rückbesinnung auf das Fachlehrerprinzip; qualitätsorientierter Abbau des Lehrkräftemangels statt fachfremden Einsatzes; keine weitere Verkürzung des Referendariats; Entlastung von unterrichtsfernen Aufgaben und Senkung des Deputats; unterrichtsbezogener KI-Einsatz für Feedback und Übung; zielgerichtete Investitionen in Infrastruktur und Fortbildung.
Verband Bildung und Erziehung
Tomi Neckov, Bundesvorsitzender
„Die PISA-Ergebnisse sind kein Zeugnis für schlechten Unterricht – sie sind eine Quittung für gesellschaftliche Entwicklungen.“ Beleg dafür sei, dass auch die skandinavischen Vorbilder einbrechen (Dänemark: −16 Naturwissenschaften, −19 Mathematik, −29 Lesen).
Forderungen: eine „vernetzte Förderkulisse“ statt Einzelprojekte; multiprofessionelle Zusammenarbeit mit klarer Rollenverteilung und Kooperationszeiten; Erhalt der Leseförderprojekte und des Vorlesens (Verweis auf das Hamburger Leseband). Zur KI: „Wer KI für Schulaufgaben nutzt, wird nicht klüger, sondern nur schneller fertig“ – der Zugang zu reflektiertem „KI-Sparring“ sei selbst sozial ungleich verteilt und damit „ein weiterer Katalysator für Bildungsungerechtigkeit“.
GEW
Anja Bensinger-Stolze, Vorstandsmitglied Schule
Die schärfste Systemkritik der Woche: „Ein Vierteljahrhundert PISA-Maßnahmen haben unterm Strich nichts gebracht.“ Das Schulsystem mildere die Kopplung von Herkunft und Erfolg nicht – „im Gegenteil: Es zementiert und verstärkt sie sogar.“ Und: „Das gesamte Schulwesen gehört mittlerweile auf den Prüfstand.“
Forderungen: Masterplan gegen Bildungsarmut und soziale Ungerechtigkeit (seit 2023 erhoben); inklusive Gesamtstrategie, die Schulleistungen, Professionalisierung, Chancengleichheit, Wohlbefinden und „gute Arbeit“ verzahnt; deutlich bessere Bildungsfinanzierung; Verstetigung des Startchancenprogramms („sonst ein Tropfen auf den heißen Stein“); multiprofessionelle Teams; 15-Punkte-Programm gegen den Lehrkräftemangel. Ausdrücklich kritisch gegenüber der Steuerungslogik seit 2001: Qualität sei zu sehr über „Standards, Tests und Vergleiche“ definiert worden – zulasten pädagogischer Vielfalt und guter Arbeitsbedingungen.
Eltern
Bundeselternrat
PISA habe keine neuen Erkenntnisse gebracht. „Es kann nicht die Antwort auf sinkende Kompetenzen sein, noch eine Studie zu veröffentlichen und anschließend die nächste Arbeitsgruppe einzusetzen.“ Die entscheidende Frage sei: „Was benötigen wir, um schneller und wirksamer ins Handeln zu kommen?“
Schülerinnen und Schüler
Bundesschülerkonferenz
Widerspruch gegen den Basiskompetenz-Konsens: „Jetzt ein weiteres Mal den Fokus auf die Stärkung der Basiskompetenzen zu legen, wird uns langfristig nicht weiterhelfen. Das Grundproblem liegt an anderer Stelle: Wer sich nicht wohlfühlen und nicht partizipieren kann, kann auch nicht lernen.“
Benennt Leistungsdruck, Mobbing und soziale Medien; fordert Sicherheit im digitalen Raum, digitale Ausstattung und Medienkompetenz. Diese Position deckt sich mit den PISA-Befunden zu Mobbing (31 %) und Zugehörigkeit, nicht aber mit den Kompetenzbefunden – der einzige offene Zielkonflikt zwischen Betroffenen und Fachwelt.
Kinderrechte
Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer Deutsches Kinderhilfswerk
Die Benachteiligung armutsbetroffener Kinder widerspreche „dem Recht jedes Kindes auf diskriminierungsfreien Zugang zu Bildung“.
Forderungen: finanzielle Ressourcen mobilisieren, Lehrkräftemangel angehen, Kinderrechte und Beteiligung als Leitbild jeder Schule, Persönlichkeitsbildung (Politik-/Ethikunterricht), massive Investitionen in den Ganztag (Gebäude, Ausstattung, multiprofessionelle Teams), Stärkung außerschulischer Bildung und Offener Kinder- und Jugendarbeit.
Zivilgesellschaft
Bündnis „Bildungswende JETZT!“ (über 200 Organisationen) – Sandra Noa, Janne Schmidmann
Die Krise sei seit Jahren sichtbar; die Zahlen belegten vor allem, „dass viel zu lange zu wenig passiert ist“. Entscheidend sei nicht der Rangplatz, sondern wie viele junge Menschen das System zurücklasse.
Forderungen: mehr Personal, multiprofessionelle Teams, Inklusion, deutlich höhere Investitionen. Konkrete Aktion: bundesweiter Bildungsprotesttag am 19. September 2026, zentral in Köln (Demo ab 11 Uhr Friesenplatz, Kundgebung 13 Uhr Heumarkt), weitere Orte u. a. Bielefeld, Bochum, Nürnberg und eine Aktion auf der Glienicker Brücke. Motto der bayerischen Aktion: „Bildungsbunker machen krank“.
Wirtschaft · Arbeitgeber
Rainer Dulger, Präsident der BDA
PISA habe dem „Land der Dichter und Denker schon wieder einen blauen Brief geschickt“.
Forderungen: verbindlichere Standards, regelmäßige Lernstandserhebungen – und vor allem eine Wirksamkeitsprüfung bestehender Programme: Neue Programme aufzulegen, ohne zu prüfen, was die alten bringen, reiche nicht.
Wirtschaft · Bildungsbranche
Jens Brandenburg, Geschäftsführer didacta Verband
Deutschlands Schülerinnen und Schüler bräuchten „keine routinierten Krokodilstränen in der PISA-Woche, sondern dauerhafte Vorfahrt für Bildung“.
Konkreter Vorwurf: Während ein Viertel der Schulen über fehlende Lehr- und Lernmittel klage, würden im Bundeshaushalt Investitionen in die frühe Bildung gekürzt. Politisch pikant: Brandenburg kommentierte PISA 2022 noch als BMBF-Staatssekretär.
Frühe Bildung
Stefan Spieker, Geschäftsführer Fröbel
Basiskompetenzen dürften nicht erst am Ende der Bildungskette zum Thema werden.
Fordert regelmäßige, wissenschaftlich fundierte Sprachstandserhebungen bereits in den Kitas – verbunden mit konkreten Förderangeboten, und ohne Zuständigkeits- und Finanzierungsstreit zwischen Bund, Ländern und Kommunen.
Zwei weitere, wenig beachtete Vorschläge
- Alexander Brand (Lehrer und Bildungsjournalist, Autor von „Die Bildungsweltmeister“, rund ein halbes Jahr Hospitation in etwa 30 Schulen in Finnland, Estland, Japan und Singapur): In leistungsstarken Systemen setze Förderung ein, sobald Lernlücken sichtbar werden – nicht erst nach formaler Diagnose. Für Deutschland fordert er schnelle Förderung in kleinen Gruppen und feste Zeitfenster für gemeinsame Fortbildung und Unterrichtsentwicklung.
- Deborah Maffia und Stefan Winter (Ruhr-Universität Bochum) schlagen vor, die Breite des Curriculums an die individuelle Leistungsfähigkeit anzupassen: Leistungsschwächere konzentrieren sich zeitweise auf weniger Fächer und Basiskompetenzen, bei Fortschritten wird das Curriculum wieder breiter. Ihr Motto: „Nicht die Noten atmen, sondern die Curricula.“
Medienrahmung
Die Spannweite der Kommentierung lässt sich an den Überschriften ablesen – von analytisch bis eskalierend: „Das Bildungssystem in Deutschland verliert seinen Anspruch“ (FAZ-Feuilleton), „Bildung muss endlich Priorität haben“ (SZ-Kommentar), „Liebe Lehrer: Pisa ist auch euer Versagen“ (Zeit), „Deutschland verdummt“ (Welt), „Billionenbeträge gehen verloren“ (WirtschaftsWoche), „Setzen, sechs, besser werden!“ (Frankfurter Rundschau) bis zu „PISA-Katastrophe: Diese Bildungspolitik ist Volksverrat“ (Berliner Zeitung). Der Deutsche Bildungsserver hat ein umfangreiches Pressedossier kuratiert, das auch die Stellungnahmen von sieben Landesministerien und den Fraktionen bündelt.
Fortgeschrieben am 16. September 2026
Der INSM-Bildungsmonitor 2026 (14. September)
Sechs Tage nach PISA legt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft den vom Institut der deutschen Wirtschaft erstellten Bildungsmonitor 2026 vor — mit ausdrücklichem Bezug auf die Studie. Das Ranking bleibt an der Spitze unverändert: Sachsen vor Bayern, dahinter Hamburg, Baden-Württemberg und das Saarland. Am Ende stehen Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt; Schlusslicht bleibt Bremen, das zugleich am stärksten zurückfällt.
Der Satz, auf den es ankommt, steht in der Überschrift der Meldung: Das Bildungsniveau sinkt in allen Bundesländern. Ein Ländervergleich, der nur die Rangfolge referiert, verdeckt genau das — die Plätze bleiben, das Niveau fällt.
Das Schwerpunktthema läuft dem PISA-Befund entgegen. Untersucht wird die soziale Mobilität durch Bildung — und dort bewegt es sich in die andere Richtung: Der Bildungsaufstieg junger Erwachsener hat von 2004 bis 2014 und noch einmal von 2014 bis 2024 zugenommen, getragen vor allem von beruflicher Bildung und Hochschulen, also von Stationen nach der Schule. Studienleiter Axel Plünnecke fasst den Doppelbefund so: Bildung ermögliche weiterhin Aufstieg — „zugleich ist jedoch, wie PISA aktuell wieder zeigt, auch die Bildungsarmut gestiegen“.
Zwei Messgrößen desselben Systems laufen damit auseinander. Ein Widerspruch ist das nur scheinbar — sie messen verschiedene Zeitpunkte und verschiedene Populationen. Als wechselseitige Entlastung taugen sie aber nicht: Wer auf die gestiegene Mobilität verweist, widerlegt den PISA-Befund nicht, und umgekehrt.
Die Zahl, die über den Schulbereich hinausweist: 18,8 Prozent der jungen erwachsenen Bevölkerung verfügen über keinen formalen Berufsabschluss. INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben nennt den Befund insgesamt ein „Armutszeugnis für den Bildungsstandort Deutschland“. Von den vier abgeleiteten Reformprioritäten — Sprach- und Frühförderung, gezielte Förderung von Risikogruppen, berufliche Nachqualifizierung, datengestützte Qualitätsentwicklung — decken sich drei mit dem, was die PISA-Woche gefordert hat. Neu ist allein die berufliche Nachqualifizierung; sie kommt in den dreizehn Handlungsoptionen nicht vor, weil deren Blick an der Schwelle zum Schulabschluss endet.
Die Debatte wandert zum Arbeitsmarkt — und zu den Eltern
Dieselbe Verschiebung zeigt die überregionale Presse. Am 14. September rückt ein Beitrag unter dem Titel „Die verlorene Jugend“ die Anschlussfrage in den Mittelpunkt: zu viele Jugendliche verlassen die Schule ohne ausreichende Kompetenzen oder brechen die Ausbildung ab, während Unternehmen Fachkräfte suchen. Ebenfalls am 14. September ein Interview mit einem Mathematiklehrer, der vier PISA-Musterländer bereist hat — Estland, Singapur, Japan — mit dem Tenor, einiges davon sei leicht übertragbar.
Am 13. September folgt die politisch heikelste Wendung dieser Woche: die Frage, wo Erziehung aufhört und die Bildungsmisere beginnt — „Das Versagen liegt auch bei den Eltern“. Sie verschiebt Verantwortung aus dem System in die Familien. In dieselbe Richtung, aber ohne Schuldzuweisung, argumentiert ein Gastbeitrag vom 12. September aus der Zivilgesellschaft: Mehr ehrenamtliches Engagement, etwa in der Leseförderung, könne Chancenungleichheit lindern — „über Kita, Schule und Politik hinaus“.
Die Verbände: sechs Wortmeldungen in drei Tagen
- Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (16. September). Präsidentin Simone Fleischmann fragt, warum die deutsche Bildungspolitik sich nicht die internationalen PISA-Spitzenreiter zum Vorbild nehme. Der Verband — mit rund 70.000 Mitgliedern der größte des Freistaats — fordert ein bundesweites Sondervermögen Bildung. Die Staatsregierung verweist dagegen auf 21.000 neue Plätze in Ganztagsschulen, Horten und Mittagsbetreuung sowie 1.900 neue Stellen.
- GEW Hessen (16. September). Fordert eine Bildungsoffensive und deutlich mehr Ressourcen.
- Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (16. September). Rückt zum Weltkindertag die psychische Gesundheit neben die Bildung — der einzige Beitrag dieser Tage, der den Befund nicht als Leistungs-, sondern als Entwicklungsfrage rahmt.
- Thüringer Lehrerverband (15. September). Sieht die eigenen Forderungen durch den Bildungsmonitor bestätigt und verlangt nachhaltige Entlastung — Fachkräftemangel, Bildungsungleichheit, wachsende Anforderungen.
- Deutscher Philologenverband (14. September). Konsequenz müsse Frühförderung und verbindliche Sprachförderung sein; zugleich Warnung vor einer „Gewöhnung an Lehrkräftemangel“ und Forderung nach einem Ende des fachfremden Unterrichts.
- Bundeselternrat (14. September). Begrüßt die 56 Handlungsempfehlungen der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ und hebt hervor, dass sie Verantwortung nicht allein Kindern, Jugendlichen oder Eltern zuweisen.
Das Muster ist deutlich und gehört benannt: sechs Wortmeldungen, sechsmal die Bestätigung einer vorher bestehenden Forderung. Das ist kein Vorwurf — Verbände vertreten Positionen. Aber es heißt auch, dass der Befund die Positionen nicht verändert hat, sondern nur ihre Dringlichkeit erhöht.
Fortgeschrieben am 25. September 2026
Der Bildungsprotesttag (19. September) — und sein Motto als Befund
Am Samstag, dem 19. September, hat das Bündnis Bildungswende JETZT! zum bundesweiten Bildungsprotesttag aufgerufen. Getragen wurde er von mehr als 200 Organisationen — Gewerkschaften, Bildungsverbänden, Eltern-, Schüler- und Studierendenvertretungen sowie zivilgesellschaftlichen Gruppen. Zentraler Ort war der Kölner Heumarkt mit Bühnenprogramm; die GEW Nordrhein-Westfalen berichtet von 3.000 Teilnehmenden in Köln. Demonstrationen und Aktionen gab es außerdem unter anderem in Berlin, Potsdam, Bielefeld, Bochum, Halle, Marburg, Nürnberg und München.
Die beiden zentralen Forderungen sind klar beziffert: die Einberufung eines Bildungsgipfels und ein staatliches Sondervermögen von mindestens 100 Milliarden Euro.
Der eigentliche Befund steht im Motto:„25 Jahre PISA: Schluss mit Ausreden.“ Das ist keine Reaktion auf die Ergebnisse von 2025, sondern auf ein Vierteljahrhundert. Damit trifft die Straße dieselbe Beobachtung, die auf der wissenschaftlichen Ebene als Metakritik formuliert wurde und die in den sozialen Netzwerken als Ermüdung erscheint — drei Ebenen, dieselbe Aussage, unabhängig voneinander formuliert: Es geht nicht mehr um die Diagnose, sondern darum, warum aus ihr nichts folgt.
Bemerkenswert ist der Kontrast in der Größenordnung. Die Forderung lautet auf 100 Milliarden Euro; die konkreteste politische Festlegung derselben Wochen — das Impulspapier von Arbeitgebern und Gewerkschaften — nennt eine Zielmarke für 2035 und zehn Handlungsfelder, aber keine Summe. Die eine Seite beziffert das Geld ohne Ziel, die andere das Ziel ohne Geld.
07 · Ebene IV Social Media und Community-Diskurs
Methodik: LinkedIn wurde am 13.9.2026 über fünf Suchabfragen ausgewertet (deutsch- und englischsprachig, teils nach Datum sortiert). Das ist eine Stichprobe, keine Vollerhebung: LinkedIn-Suchergebnisse sind netzwerkabhängig und nicht repräsentativ. Absenz in den Treffern belegt also nicht die Absenz eines Beitrags. Die übrigen Beobachtungen stützen sich auf öffentlich zugängliche Kommentar- und Debattenräume.
LinkedIn: wo die Policy-Community die Deutung setzt
Anders als in den Lehrkräfte-Kommentarspalten verlief die Debatte auf LinkedIn ruhig und fachlich. Sie kreist nicht um Schuld, sondern um Umsetzungsarchitektur – und liefert damit den analytisch produktivsten Strang der Woche.
Der resonanzstärkste Beitrag der deutschen Bildungsforschung kam von Kai Maaz (Geschäftsführender Direktor des DIPF). Seine These verschiebt die Problemdefinition:
„Der Engpass liegt deshalb nicht mehr im Erkennen. Der Engpass liegt zwischen Wissen und Wirkung.“Kai Maaz, DIPF, LinkedIn, 10.9.2026
Maaz buchstabiert das in sechs Übergängen aus: von Diagnose zu Förderung, von Bedarf zu Unterstützung, von getrennten Zuständigkeiten zu gemeinsamer Verantwortung, von Unterricht zu tatsächlichem Lernen, von Umsetzung zu Rückkopplung, von Projekten zu dauerhaften Strukturen. Und er setzt eine Abgrenzung gegen die Heterogenitätserzählung: „Nicht die Unterschiedlichkeit der Schüler:innen ist das Problem.“ Seit PISA 2000 habe Deutschland vor allem seine Diagnosefähigkeit ausgebaut – der nächste Schritt sei die Wirkungsfähigkeit.
Anne Sliwka (Universität Heidelberg) liefert dazu das operative Gegenstück – eine „Kompetenzgarantie“ statt Einzeltests, also eine abgestimmte Förderarchitektur von der Kita bis zum Ende der Grundschule aus Bildungsplan, Lernprogressionen, früher Diagnostik, passender Förderzeit und laufender Rückmeldung, ausdrücklich unter Einbeziehung der Eltern als Partner: „Ein Test allein hilft noch keinem Kind. Entscheidend ist, was danach geschieht.“ Das ist die präziseste Antwort auf die im Abschnitt 03 genannte Handlungsoption 6.
Das Forum Bildung Digitalisierung besetzt die einzige Lücke der Pressedebatte: die neue Domäne „Lernen in der digitalen Welt“. Es berichtet 25 % gute Problemlöserinnen und Problemlöser bei gleichzeitig 25 % mit niedriger Kompetenz, einen negativen Zusammenhang zwischen KI-Nutzung und naturwissenschaftlicher Kompetenz – und einen Befund, der es in keine Pressemeldung geschafft hat: nur 61 % der Schülerinnen und Schüler geben an, dass digitale Medien an ihrer Schule zuverlässig funktionieren.
LinkedIn als Umsetzungskanal der Länder
Bemerkenswert ist, dass Landesministerien den Kanal für konkretere Angaben nutzen als ihre eigenen Pressemitteilungen. Das Bildungsministerium Brandenburg nennt dort Zahlen und Termine: Leseband ab dem Schuljahr 2027/28 verpflichtend an allen Grundschulen, Rechenband sukzessive bis 2028/29, Vorziehen der evidenzbasierten Sprachstandserhebung auf das fünfte Lebensjahr mit erneuter Überprüfung in Klasse 1, sowie 110 Startchancen-Schulen mit rund 540 Millionen Euro von Bund und Land über zehn Jahre.
Akteure, die in der Presseresonanz fehlten
- Kirche und Verbände jenseits des Bildungssektors: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken formuliert „Wer von PISA spricht, darf von Bildungsgerechtigkeit nicht schweigen“ und fordert, das Startchancen-Prinzip vom Einzelprogramm zum „Grundprinzip unseres Bildungssystems“ zu machen.
- Berufliche Bildung: Aus der didacta-Redaktion kommt die Anschlussfrage, die die Bildungspolitik in dieser Woche nicht gestellt hat – die PISA-Kohorte startet jetzt in die Ausbildung; Betriebe und Berufsschulen würden damit zum Ort der Basiskompetenzförderung.
- Elternperspektive: Die schärfste Gegenrede zur Eltern-These von Merz kam nicht aus der Politik, sondern von einer Berliner Mutter (Nora Buckwar), deren Beitrag den Widerspruch konkret macht: LRS-Verdacht von den Eltern bemerkt, nicht von der Schule; ein Jahr Diagnostik ohne Abschlussbericht; Lerntherapie selbst bezahlt. Ihr Forderungskatalog deckt sich fast eins zu eins mit dem der Fachwelt – verbindliche Sprach- und Entwicklungschecks vor der Einschulung, schnelle Förderung statt monatelanger Verfahren, verpflichtendes Vorschuljahr, verbindlicher Ganztag mit qualifizierter Lernunterstützung – mit einem eigenen Schluss: „Bildungspolitik ist Arbeitsmarktpolitik.“
- Internationale Einordnung aus erster Hand: Ein Lehrer mit vier Jahren Schulerfahrung in Estland (Michael Bellinger) verbindet die estnischen Werte mit Beobachtungen – konsequentes, fast „stupides“ Lesetraining ab Klasse 1, ein gefüllter mathematischer Werkzeugkasten, Exkursionen als Unterricht statt Zusatzprogramm. Seine Pointe zu Finnland: „Bildungserfolg ist kein Besitzstand.“
Qualitätsbeobachtung: Faktendrift
Die Reichweite korreliert auf LinkedIn nicht mit der Genauigkeit. In gut sichtbaren Beiträgen finden sich Fehler, die in der Fachdebatte nicht vorkommen: Der erste PISA-Schock wird auf „vor 10 Jahren“ datiert (es waren 25), und der Anteil ohne ausreichende Lesekompetenz wird mit „rund ein Viertel“ angegeben (es ist ein Drittel; ein Viertel gilt für die Naturwissenschaften). Wer LinkedIn als Multiplikator nutzt, muss mit dieser Drift rechnen.
Der professionelle Diskurs: Kommentarspalten als Stimmungsbild
Die intensivste öffentlich einsehbare Debatte fand in den Kommentarbereichen von News4teachers statt – mit je über 100 Beiträgen unter den Kernartikeln (109 unter der Ergebnismeldung, 110 unter dem England-Vergleich, 60 unter der Merz-Meldung, 54 unter „Zehn Lehren aus PISA“). Drei Muster dominieren:
- Abwehr der Verantwortungszuschreibung. Merz’ „Outsourcing“-Satz löste die heftigste Reaktion aus – teils Zustimmung („Die Eltern müssen wieder mehr in die Pflicht genommen werden“), teils scharfe Zurückweisung („Ein 15-Jähriger war bereits neun Jahre im deutschen Bildungssystem […] Das ist dann Schuld der Eltern?“). Bemerkenswert: Die Redaktion musste mehrfach moderierend eingreifen, als ein Diskussionsstrang zum „Elternführerschein“ in eugenische Argumentationen abglitt – ein Hinweis darauf, wie schnell die Ursachendebatte in dieser Woche radikalisierte.
- Empirischer Gegen-Check der Vorbildländer. Unter dem England- und Kanada-Vergleich wurde gezielt nachgerechnet: Kanadas Migration erfolge über Punktesysteme, Nicht-Migranten in Kanada erzielten 2025 weniger Punkte als der Durchschnitt der deutschen Länder, Finnland weise ähnliche Migrationsdifferenzen auf wie Deutschland, und in Japan, Singapur und Südkorea werde deutlich mehr privater Nachhilfeunterricht in Anspruch genommen. Dieses Argumentationsmuster – Benchmarking gegen den Strich lesen – ist der intellektuell stärkste Gegenstrang der Woche.
- Praxisrealität gegen Programmrhetorik. Wiederkehrend: Es gebe an vielen Schulen faktisch keinen Förderunterricht; sonderpädagogische Stunden würden für Vertretung verbraucht. Das ist der Kern des Glaubwürdigkeitsproblems der angekündigten Fördermaßnahmen.
Mobilisierung
Der einzige erkennbare Fall organisierter digitaler Mobilisierung ist „Bildungswende JETZT!“: Das Bündnis koordiniert über Telegram-, WhatsApp- und Signal-Gruppen den Protesttag am 19. September und ruft zu Spenden für Bühne und Material auf. Die Zeitnähe zu PISA ist kein Zufall – das Bündnis rahmt den Tag explizit als „PISA-Schock 2001. Bildungskrise 2026. 25 Jahre Diagnose. 25 Jahre Stillstand.“ In Berlin/Brandenburg wird die Aktion zusätzlich mit der anstehenden Berlin-Wahl verknüpft.
Was auch nach der LinkedIn-Auswertung offen bleibt
In den durchgeführten Suchen tauchten keine eigenen PISA-Beiträge der großen Bildungsstiftungen (Bertelsmann, Wübben, Telekom-Stiftung) auf, ebenso wenig persönliche Beiträge von Karin Prien, Anna Stolz oder Samuel Greiff. Das ist angesichts der Netzwerkabhängigkeit der LinkedIn-Suche kein Beleg für deren Schweigen – wohl aber ein Hinweis darauf, dass sie in diesem Netzwerkumfeld nicht zirkulierten. Wer die Resonanzstruktur belastbar messen will, bräuchte einen Social-Listening-Zugang statt einer Kontosuche.
Fortgeschrieben am 16. September 2026
LinkedIn, eine Woche später
Methodik: Ausgewertet wurde am 16. September die öffentlich zugängliche Beitragssuche, nach Datum sortiert, ohne Anmeldung. Das ist eine engere Sicht als die Auswertung oben: Ohne angemeldete Sitzung zeigt die Suche weniger und anders gewichtete Treffer. Die Beobachtungen sind belastbar für das, was sie zeigen, und nicht vollständig.
Fünf Beiträge aus den letzten 24 Stunden lassen ein Muster erkennen, und es ist dasselbe wie in der Presse — nur von anderen Absendern. Auffällig ist, wer sich zu Wort meldet: überwiegend Menschen außerhalb des Schulsystems.
- Die fachliche Langfristeinordnung. Ein Beitrag legt eine eigene Analyse der deutschen Ergebnisse von 2000 bis 2025 vor und leitet daraus Handlungsfelder ab 2027 ab. Der tragende Satz: Deutschland habe seine Leistungen schon einmal deutlich verbessert — der Rückgang sei „weder plötzlich entstanden noch zwangsläufig“.
- Berufsgruppen bieten sich an. Ein Beitrag aus der IT-Ausbildung schlägt vor, IT-Fachkräfte nicht als Ersatz-Informatiklehrer einzusetzen, sondern als Praxispartner für Problemlösen und individuelle Förderung — mit Verweis darauf, dass in PISA 2025 73 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland von einer Beeinträchtigung durch Lehrkräftemangel berichten.
- Die Wirtschaft fragt nach ihrer Rolle. Eine Geschäftsführerin aus der Sportartikelbranche fragt öffentlich, wer „an einen Tisch“ müsse und was jemand beitragen könne, der nicht aus der Bildungspolitik kommt. Der Beitrag erhielt die meisten Reaktionen der ausgewerteten Stichprobe.
- Und dieselbe Ermüdung wie in der Fachdebatte. Ein Wissenschaftler aus einem ganz anderen Feld schreibt, man habe seit 25 Jahren gelernt, was die Probleme seien, sei aber „unwillig und unfähig“, sie zu beheben. Das ist wörtlich das Motiv des Gastbeitrags, der in der fachlichen Debatte dieselbe Frage stellt.
Der Befund ist damit derselbe wie auf den anderen Ebenen — und er wird hier am deutlichsten: Die Frage ist von „Was ist passiert“ auf „Wer ist zuständig“ gewandert. Auf LinkedIn kommt die Antwort von außen: IT, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Wissenschaft anderer Disziplinen. Wer im System arbeitet, meldet sich in dieser Stichprobe kaum — was auch an der Methodik liegen kann.
Fortgeschrieben am 25. September 2026
Zwei Wochen später: aus dem Kommentarkanal wird ein Beteiligungskanal
Methodik: Ausgewertet wurde am 25. September die nach Datum sortierte Beitragssuche in angemeldeter Sitzung — eine breitere Sicht als am 16. September, aber weiterhin eine Stichprobe der jeweils jüngsten Beiträge und keine vollständige Erhebung.
Die stärkste Beobachtung dieser Auswertung betrifft nicht ein Argument, sondern eine Funktion. Ein Ländervertreter der Bildungsministerkonferenz berichtet auf LinkedIn selbst von der Bildungskonferenz der Sozialpartner — und schreibt dazu, er habe im Vorfeld über LinkedIn und Facebook um Vorschläge gebeten und binnen 48 Stunden knapp 100 konstruktive Zuschriften erhalten. Die Liste, die er daraus veröffentlicht, reicht von der Abschaffung des Kooperationsverbots über einen intersektoral besetzten Bildungsrat und mehr Bundesmittel für das Übergangsmanagement bis zu „weniger Projekte, mehr Programme“ und Familienleseprogrammen nach kanadischem und Hamburger Vorbild.
Das ist neu. In der ersten Woche war LinkedIn der Ort, an dem über die Debatte gesprochen wurde. Jetzt wird die Plattform von einem Beteiligten als Erhebungsinstrument benutzt — und das Ergebnis geht in eine Konferenz ein, auf der Bundesregierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften sitzen. Der Beitrag nennt auch die inhaltliche Position, die dort vertreten wurde: Die Kompetenzverluste verteilen sich nicht gleichmäßig, sondern folgen der sozialen Herkunft; die Digitalisierung samt KI lege sich über dieses Strukturproblem und könne wie ein „Brandbeschleuniger“ wirken; Ressourcen seien deshalb bedarfsorientiert zuzuweisen.
Was sonst zu sehen war
- Der internationale Vergleich als Gegengewicht. Ein Beitrag legt alle 91 Systeme mit Konfidenzintervallen auf eine Achse und kommt für die Naturwissenschaften zu dem Schluss, Deutschlands Abstand zum OECD-Mittel sei statistisch nicht gesichert — der Verlust über zehn Jahre dagegen schon. Das ist dieselbe Unterscheidung, die die Fachdebatte seit dem 8. September macht: Der Rang ist unauffällig, die Entwicklung ist es nicht.
- Italien als Vorlage. Ein Beitrag aus der Bildungswirtschaft stellt das italienische Schuldekret zur Diskussion und fragt offen, ob eine Obergrenze für den Anteil von Schülerinnen und Schülern mit unzureichenden Sprachkenntnissen je Klasse auch für Deutschland taugt. Die Frage ist gestellt, bevor sie in der deutschen Bildungspolitik gestellt wurde.
- Eine Ministerinnenaussage wird zum Streitpunkt. Mehrfach aufgegriffen wird die Bemerkung der Bundesbildungsministerin, sie sei überrascht, dass Eltern Bildung nicht so wichtig fänden wie in anderen Staaten. Sie setzt den Eltern-Strang der Debatte fort — nun aber von der Regierungsbank aus.
- Und wieder die Ermüdung, diesmal als Reihe. Ein Autor schreibt eine ganze Essayreihe über die Institutionen, „die uns als naturgegeben verkauft werden“; ein anderer betitelt seinen Newsletter mit „Kinder schlecht. Lehrer überfordert. Fall gelöst?“. Beide greifen dieselbe Metakritik auf wie die Fachdebatte.
Eine Zahl, die nachzurechnen war
Ein vielbeachteter Beitrag nennt den Abstand zwischen dem oberen und dem unteren Herkunftsviertel mit 125 Punkten und bezeichnet ihn als höchsten Wert seit Beginn der Messung. Die eigene Auswertung der Mikrodaten kommt in Mathematik auf 111,7 Punkte für 2025 — und auf 116,2 für 2009, also einen höheren früheren Wert. Der Abstand ist groß und er wächst seit 2015 wieder; der höchste jemals gemessene ist er in dieser Rechnung nicht. Möglich ist, dass der Beitrag eine andere Domäne oder eine andere Abgrenzung der Viertel verwendet — nachvollziehbar ist das aus dem Beitrag nicht.
08 · Bewertung Synthese: Konsens, Konflikt, Leerstellen
Was in dieser Woche tatsächlich Konsens war
Über nahezu alle Lager hinweg – Ministerien, Fraktionen (außer in der Begründung), Verbände, Wissenschaft, Wirtschaft – wurden vier Maßnahmen genannt. Sie sind der belastbare gemeinsame Nenner:
| Maßnahme | Status | Getragen von / Konfliktpunkt |
|---|---|---|
| Verbindliche vorschulische Sprachdiagnostik mit Pflichtförderung | [Konsens] | PISA-Konsortium, Wößmann, Prien, Stolz, Jung, DL, DPhV, Pawlik, Fröbel, SPD, Grüne, AfD. Streit nur über Zeitpunkt (BW: früher als 4,3 Jahre), Trägerschaft und Finanzierung (SCQEG). |
| Bedarfsorientierte statt pauschaler Schulfinanzierung | [Konsens] | Konsortium, Schleicher (England-Modell), Streichert-Clivot, SPD, Grüne, GEW, DKHW. Streit über Volumen: 10 % der Schulen (Ist) gegen 30–50 % (SPD) gegen Verstetigung als Systembestandteil (GEW). |
| Datengestützte Lernstandsbegleitung („Kanada-Modell“) | [Konsens] | Konsortium, Schleicher, Wößmann, Dulger, Prien, Stolz, Feller, Grüne (Schüler-ID/Bildungsverlaufsregister). Widerstand implizit von der GEW, die die Test- und Vergleichslogik seit 2001 für einen Teil des Problems hält. |
| Basiskompetenzen als Priorität | [umstritten] | Von fast allen getragen – offen abgelehnt von der Bundesschülerkonferenz („wird uns langfristig nicht weiterhelfen“) und implizit von allen, die auf Wohlbefinden, Beteiligung und Persönlichkeitsbildung setzen. |
Was strittig blieb
- Ursachengewicht Migration. Konsortium: nachrangig nach Kontrolle. Länder (teilweise) und AfD: zentral. Fachlich sauber ist die Trennung von Brutto- und Nettodifferenzen; sie fand in der öffentlichen Debatte praktisch nicht statt.
- Struktur des Schulsystems. Schleicher kritisiert die frühe Aufteilung direkt, die GEW fordert das gesamte Schulwesen auf den Prüfstand. Kein einziges Ministerium griff das auf – trotz eines Gymnasium-Abstands von bis zu 128 Punkten. Das ist die größte Diskrepanz zwischen Befund und politischer Reaktion.
- Wissen oder Kompetenz. Die England-Erzählung führt eine curriculare Grundsatzfrage zurück in die deutsche Debatte, die hier seit 2003 als entschieden galt.
- Digitalisierung. Handyverbot und Social-Media-Regulierung (RLP, Hessen, Grüne) gegen digitale Kompetenzförderung (Hessen: neues Fach; AfD dagegen). Der PISA-Befund stützt beides zugleich: Ablenkung schadet, Nutzungsqualität hilft.
- Wirksamkeit statt Neuauflage. Dulgers Forderung, bestehende Programme zu evaluieren, bevor neue aufgelegt werden, ist die unbequemste – und blieb politisch unbeantwortet.
Leerstellen der Debatte
- Berufliche Bildung. PISA misst 15-Jährige, ein Drittel von ihnen ohne Basiskompetenzen – die Anschlussfrage nach Ausbildungsreife und Übergangssystem wurde fast ausschließlich von der Wirtschaft und aus der Fachpresse der beruflichen Bildung gestellt, nicht von der Bildungspolitik.
- Sekundarstufe I. Sämtliche Empfehlungen zielen auf Kita, Grundschule und Systemsteuerung. Der Unterricht der 5. bis 9. Klasse – in dem die getesteten Jugendlichen die letzten vier bis fünf Jahre verbracht haben – kam als Handlungsfeld kaum vor, obwohl PISA für Klassenführung und konstruktive Unterstützung unterdurchschnittliche Werte ausweist.
- Finanzierung. Außer der SPD (Vermögen und Erbschaften) und dem didacta-Verband (Kürzungen im Bundeshaushalt) nannte niemand eine Finanzierungsquelle. Der Kita-Streit zeigt die Realität: Standards steigen, Mittel nicht.
- Keine Länderergebnisse. PISA 2025 weist keine belastbaren Landeswerte aus (Streichert-Clivot: „Für das Saarland gibt es keine eigenen belastbaren PISA-Ergebnisse“) – der föderale Vergleich, der Reformdruck erzeugen würde, findet erst wieder über den IQB-Bildungstrend statt.
- Lehrkräftebildung und -zeit. Zwar von fast allen genannt, aber ohne Zahl: Schleichers Hinweis auf 11–12 Unterrichtsstunden pro Woche in chinesischen Regionen und Brands Forderung nach festen Fortbildungszeitfenstern blieben folgenlos.
Einordnung
Die Nachlese der ersten Woche zeigt ein Muster, das Jan-Martin Wiarda präzise benannt hat: Die Diagnose ist schärfer als 2022, die Maßnahmenliste aber weitgehend identisch – und die Antwort der Politik lautet in beiden Fällen, man sei bereits auf dem richtigen Weg, es brauche nur Zeit. Neu sind drei Elemente: erstens der explizite Empfehlungsteil des nationalen Berichtsbands, der die Diskussion erstmals auf ein gemeinsames, zitierfähiges Set von 13 Optionen stellt; zweitens der Befund, dass die soziale Ungleichheit gegen den OECD-Trend wächst, was die Standarderklärung „internationaler Abwärtstrend“ entkräftet; drittens die Verschiebung der Verantwortungszuschreibung zum Elternhaus durch den Bundeskanzler, die die Debatte innerhalb von 24 Stunden politisiert hat. Die schärfste Formulierung des eigentlichen Problems kam dabei nicht aus der Pressekonferenz, sondern aus der Fachdebatte auf LinkedIn: Der Engpass liegt nicht im Erkennen, sondern zwischen Wissen und Wirkung (Kai Maaz, DIPF). Wer in den kommenden Monaten Wirkung erzielen will, wird am ehesten dort ansetzen, wo Konsens und Befundlage zusammenfallen und die Umsetzung bereits gesetzgeberisch offen ist: bei der verbindlichen Sprachdiagnostik und -förderung im SCQEG-Verfahren und bei der Frage, ob das Startchancen-Programm über die 10-Prozent-Marke hinaus verstetigt und ausgeweitet wird.
Fortgeschrieben am 16. September 2026
Wie sich die Debatte nach der ersten Woche verteilt
Der Verlauf bis zum 16. September lässt sich an den Ebenen dieser Übersicht ablesen — und die Verteilung ist selbst ein Befund.
- Die wissenschaftliche Ebene liefert keine neuen Daten mehr, sondern Metakritik: die Frage, warum seit 22 Jahren dieselben Konsequenzen gefordert werden.
- Die politische Ebene legt in diesen Tagen keine Maßnahme vor, die auf den Leistungsbefund antwortet.
- Die Verbandsebene übernimmt die Woche — sechs Wortmeldungen, durchweg Bestätigungen vorher bestehender Forderungen.
- Eine Studie — der Bildungsmonitor — liefert dieselbe Diagnose und zwei neue Akzente: die gestiegene Aufstiegsmobilität als Gegengewicht zum Krisenbild und die berufliche Nachqualifizierung als Handlungsfeld jenseits der Schule.
Inhaltlich verschiebt sich die Debatte von „Was ist passiert“ zu „Wer ist zuständig“ — und dabei über Schule und Bildungspolitik hinaus: zum Arbeitsmarkt, zu den Eltern, zur Zivilgesellschaft. Das ist der typische Verlauf nach einer Veröffentlichung. Es ist zugleich der Punkt, an dem sich entscheidet, ob aus Befunden Vorhaben werden — und diese Entscheidung steht noch aus.
Fortgeschrieben am 25. September 2026
Nach zwei Wochen: die Frage lautet nicht mehr „wer“, sondern „bis wann und wovon“
Die erste Woche verschob die Debatte von „Was ist passiert“ zu „Wer ist zuständig“. Die zweite und dritte beantworten diese Frage — und stellen sofort die nächste.
- Wer: Arbeitgeber und Gewerkschaften gemeinsam, am 22. September, mit einem Impulspapier. Nicht die Kultusverwaltung, nicht das Konsortium, nicht die Verbände einzeln.
- Bis wann: 2035. Das ist die erste Jahreszahl der gesamten Debatte, die an ein Ziel gebunden ist statt an eine Forderung.
- Wovon: offen. Das Impulspapier verlangt wirksam erhöhte Bildungsausgaben ohne Summe, die Straße nennt 100 Milliarden Euro ohne Ziel, und die Ministerin verweist auf die laufenden Haushaltsberatungen.
Zwei Beobachtungen tragen über die Chronologie hinaus.
Erstens: Die belastbarsten Festlegungen dieser Wochen kommen nicht aus der Bildungspolitik. Ein Gerichtsurteil verschiebt die Belastungslast, ein Sozialpartnerpapier setzt eine Zielmarke, ein Bündnis aus 200 Organisationen beziffert den Bedarf. Die Bildungspolitik selbst hat in diesen zweieinhalb Wochen keine Maßnahme vorgelegt, die auf die Basiskompetenzen antwortet. Das ist kein Versäumnisvorwurf — Haushalte und Programme brauchen länger als drei Wochen. Es beschreibt nur, wo die Initiative derzeit liegt.
Zweitens: Drei Ebenen formulieren unabhängig voneinander dieselbe Metakritik. Die Fachdebatte fragt, warum seit 22 Jahren dieselben Konsequenzen gefordert werden. Die Straße demonstriert unter dem Motto „25 Jahre PISA: Schluss mit Ausreden“. In den sozialen Netzwerken schreiben mehrere Autoren, man wisse seit einem Vierteljahrhundert, was zu tun sei. Der eigentliche Gegenstand der Debatte ist nicht mehr der Befund, sondern seine Folgenlosigkeit.
Zugleich hat sich die fachliche Arbeit verschoben: von der Deutung der veröffentlichten Zahlen zur Auswertung der Rohdaten. Die dabei stärkste Einzelbeobachtung — dass zwei Schulen derselben Form mit derselben Schülerschaft um ein Schuljahr auseinanderliegen und sich das zu knapp drei Vierteln nicht erklären lässt — passt in keine der Forderungen, die seit dem 8. September erhoben wurden. Sie richtet sich weder an den Bund noch an die Länder, sondern an die einzelne Schule.
09 · Nachweise Quellen
Alle Zahlenangaben wurden gegen die Primärquellen geprüft (OECD-Ländernotiz Deutschland und deutschsprachiger Auszug aus Band I, Zusammenfassung des nationalen Berichtsbands, OECD-Pressemitteilung). Zitate stammen aus den jeweils verlinkten Originaltexten der zitierten Organisationen bzw. aus den namentlich genannten Interviews. Nicht geprüft und deshalb im Text kenntlich gemacht: Beiträge hinter Bezahlschranken (Table.Briefings, Berliner-Zeitung-Interview, Cicero) sowie Einzelangaben aus LinkedIn-Beiträgen, die nicht in den Primärquellen auftauchen (61 % zuverlässige Digitaltechnik, estnische Punktwerte).
Primärquellen
- OECD (2026): PISA 2025 Ergebnisse (Band I) – Ländernotiz Deutschland (Autor: Francesco Avvisati)
- OECD (2026): Pressemitteilung zum globalen Launch, 8.9.2026
- OECD (2026): PISA 2025 Ergebnisse Band I – auszugsweise deutsche Übersetzung
- Greiff, Diedrich, Kastorff, Goldhammer, Köller (Hrsg.) (2026): PISA 2025 – Bildung im Spannungsfeld von Innovation und Transformation. Zusammenfassung, Waxmann (CC BY-SA 4.0); nationaler Berichtsband
- DIPF-Pressemitteilung zu PISA 2025 · ZIB-Meldung
Politik
- BMBFSFJ / Bildungsministerkonferenz, gemeinsame Pressemitteilung, 8.9.2026
- News4teachers: Wie Politiker auf den PISA-Absturz reagieren (Länder, Pawlik, Prien, SPD)
- News4teachers/dpa: Merz-Rede, Bundeselternrat, Bundesschülerkonferenz
- SPD-Bundestagsfraktion (Esken) · Grüne Bundestagsfraktion · Die Linke (Gohlke) · AfD-Bundestagsfraktion (Reichardt) · AfD-Fraktion BW (Hörner)
- Wiarda-Blog: Interview mit Christine Streichert-Clivot, 9.9.2026
Verbände, Wissenschaft, Zivilgesellschaft
- Deutscher Lehrerverband (Düll) · Deutscher Philologenverband (Lin-Klitzing) · VBE (Neckov) · GEW (Bensinger-Stolze)
- Deutsches Kinderhilfswerk (Hofmann) · Bildungswende JETZT! – Bildungsprotesttag 19.9.2026
- Wiarda-Blog: Interview mit Samuel Greiff · Wiarda-Blog: Reaktionsübersicht (Wößmann, Dulger, Brandenburg, Spieker, Brand, Maffia/Winter, Bildungswende JETZT!)
- News4teachers: Schleicher-Zitate aus tagesschau24, FAZ und WDR 5 · News4teachers: England-Reformen (Nick Gibb)
- MiGAZIN/dpa: Greiff und Pawlik zur Migrationsfrage · Cicero (Knauss), Gegenposition – Bezahlschranke
- Deutscher Bildungsserver: Pressedossier zu PISA 2025 (kuratierte Vollübersicht der Länder-, Verbands- und Medienreaktionen)
Quellen (Abschnitt 04)
- Eigene PISA-2025-Prognose aus dem PISA-Erklärmodell Deutschland 2000–2022 (Parameter-, Fit- und Szenariendateien sowie Bericht, Stand 14.7.2026) und der Kanon zur Prognosegüte, der die veröffentlichte Erwartung gegen das Ist stellt.
- Entscheidungsvorlage zum Kompetenzkanal der Kosten-Nutzen-Analyse (2.9.2026): Kompetenzkanal, Hindcast, Envelope-Ersatz, Endstand und der Abschnitt „Was dieser Umbau nicht löst“.
- Memo zu Kompetenzbasis und Grenzen (2.8.2026): Konkordanzen, Grenzen der Länderschärfe, angekündigte Wellen.
- FiBS-Länderpanel Land × Welle sowie die Kanones zum PISA/IQB- Anschluss und zu den Kompetenzstufen, zur Wirkungsfunktion, zu den Barwerten je Abschluss und zum Armutsbefund.
- Hausregel Ist schlägt Prognose (verbindlich seit 22.8.2026) — der Ablauf, der bei neuem Ist abzuarbeiten ist.
- Für die Fortschreibung vom 25. September: eigene Auswertung der PISA-Mikrodaten 2000 bis 2025, gewichtet und je Plausible Value bestimmt, mit den 80 Replikationsgewichten der Erhebung und einschließlich des Linkfehlers zwischen den Zyklen.
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- LinkedIn, Auswertung vom 13.9.2026 über fünf Suchabfragen. Zitierte Beiträge: Kai Maaz (DIPF), Anne Sliwka (Universität Heidelberg, für evido.), Forum Bildung Digitalisierung, Bildungsministerium Brandenburg, Zentralkomitee der deutschen Katholiken, Nora Buckwar, Michael Bellinger, Viktoria Udjbinac (didacta), Fabian Dany (Finanztip Stiftung), Andreas Höft.
- Kommentarbereiche von News4teachers und des Wiarda-Blogs (Stand 13.9.2026).