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14. Januar 2019 FiBS-Veranstaltung: Qualifizierung 2030! Qualifizierte Fachkräfte in und für Berlin

Rund 70 Gäste aus Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft diskutierten am 14. Januar 2019 mit Arbeitssenatorin Elke Breitenbach und hochkarätigen Referent/innen die zukünftigen Herausforderungen für das Berliner Bildungs- und Qualifizierungssystem

Dr. Dieter Dohmen, Direktor des FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie präsentierte anhand aktueller Prognosedaten zukünftige Anforderungen für die Bundeshauptstadt. Ein dynamisches Bevölkerungswachstum Berlins wird dafür sorgen, dass Berlin bereits im Jahr 2030 offiziell rund 4,1 Millionen Einwohner/innen haben werde. Dies würde dazu führen, dass die Zahl der Kinder, Jugendlichen und (jungen) Erwachsenen im zentralen Bildungsalter von derzeit etwa 800.000 auf 1,1 Mio. ansteigt. Dies wäre, anders als bisherige Berechnungen zeigen, zugleich mit einem erheblich höheren Bedarf an Erzieher/innen, Lehrkräften und Hochschulpersonal verbunden. Gleichzeitig rechne die IHK Berlin für 2030 mit einem Fachkräftemangel bei den Berliner Unternehmen von rund 200.000 beruflich und 43.000 akademisch Qualifizierten. Angesichts des auch ohne das Bevölkerungswachstum zu erwarteten Mangels an Erzieher/innen und Lehrkräften befürchtet er, dass das Berliner Bildungssystem zur Achillesferse für die wirtschaftliche Entwicklung und die Besetzung offener Stellen werden könnte. Gleichzeitig hoffe er, dass das Szenario, das er hier aufzeige, nie Realität werde, da die Berliner Bildungsverwaltung rechtzeitig und entschlossen gegengesteuert habe.

Mit Blick auf die Zukunft betonte der Innovations- und Zukunftsforscher Prof. Ingo Rollwagen die neuen Kompetenzanforderungen von Morgen, z.B. den souveränen Umgang mit Daten aller Art - eng verbunden mit der hohen Innovationskraft unseres Standortes. Zudem könnten zahlreichere, bessere und andere Qualifizierungswege sowie mehr Offenheit und Begeisterung für Technik und Innovationen gerade in und für Berlin für mehr Qualifizierungswillige durch die Einbindung der "Maker"-Bewegung geschaffen werden. Berlin könnte endgültig zum Labor für neue Formen des Lernens und zur Lernhauptstadt werden.

Daniel Steier, Ausbildungsleiter bei der Siemens Mobility GmbH und bis Anfang Januar Leiter der Initiative Bildung der Stiftung Zukunft Berlin, stellte ein Positionspapier der Initiative vor, das diese in mehrjähriger Arbeit, u.a. auch mit Schulen, die sich der Herausforderung stellten, ihren Schüler/innen einen gelungenen Übergang in eine Ausbildung zu ermöglichen. Unter Anderen wurde ein Schulmanager gefordert, der die Schulleiter/innen bei der administrativen Arbeit unterstütze; auch sollen Unternehmensvertreter/innen in die BSO-Teams eingebunden werden. Aus seiner beruflichen Erfahrung in der Ausbildung warf er auch die Frage auf, ob die derzeitige starke Ausrichtung der Ausbildung auf spezielle Berufe zukunftsgemäß sei. Hier fände er eine übergreifendere Ausbildung ähnlicher Berufsbilder und eine spätere Spezialisierung sinnvoller.

Dr. Michael Cordes, Projektleiter des FiBS Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie, stellte die Idee einer zweiseitigen Plattform vor. Über die Webseite „Dein-Ausbildungs-Coach.de“ sollen Jugendliche prozessbegleitend bei der Berufsorientierung bis hin zum erfolgreichen Abschluss eines Ausbildungsvertrags unterstützt werden. Ausbildungswillige Betriebe sollen durch „Mein-Azubi.com“ bei der Suche bzw. beim Finden von Auszubildenden begleitet werden.
 
Die Berliner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales Elke Breitenbach wünschte sich eine stärkere Beteiligung und Bereitschaft der Berliner Wirtschaft Ausbildungs- und Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen. Die Zukunft brauche qualitativ hochwertige Ausbildungsgänge, beruflich wie auch akademisch. Sie stellte heraus, dass das „System Schule“ nicht mehr so funktioniere wie bisher, weil Schüler/innen noch immer aufgefordert sind, sich vor allem anzupassen. Entscheidend sei jedoch, dass umgekehrt auch das Schulsystem stärker auf die Bedarfe der Schüler/innen eingeht. Gleichzeitig bricht die Senatorin eine Lanze für die berufliche Bildung. „Berufliche Bildung ist keine Ausbildung für Looser der Gesellschaft“, so Breitenbach. Trotzdem blieben zu viele Ausbildungsplätze unbesetzt.

Henning Banthien, Vorsitzender des VBKI Ausschusses Wissenschaft und Bildung, stellt vor dem Hintergrund Tausender unbesetzter Ausbildungsplätze heraus, wie wichtig es zukünftig werden wird, dass Matching zwischen Betrieb und Ausbildungssuchenden zu verbessern. Er fordert hierfür Schnelligkeit, kurze Wege und die Bereitschaft sich auf das Lebensgefühl und Denken der jungen Generation einzulassen – die Digitalisierung wird dafür sorgen, dass betriebliche Strukturen mit tradierten Akquise- und Einstellungsverfahren zukünftig nicht mehr existieren. „Wir müssen in neuen Modi denken!“, so Banthien.

Dr. Constantin Terton, Bereichsleiter Fachkräfte und Innovation der IHK Berlin, betonte die Bedeutung der Digitalisierung für die Veränderung der Arbeitsanforderungen und die zukünftige Qualifizierung von Fachkräften. Gerade Start-ups seien ein Wirtschaftsmotor in Berlin und fänden ein sehr gutes Umfeld.

Dr. Christa Schäfer, die als Coachin Jugendliche am Übergang Schule – Beruf betreut, sieht erhebliche Herausforderungen in der Berufsorientierung von Jugendlichen, die sich häufig angesichts der Vielzahl von Informationen überfordert fühlten. Nach ihrer Einschätzung sind zielgruppenorientierte Angebote bei der Berufsorientierung notwendig.

Die Veranstaltung "Qualifizierung 2030! Qualifizierte Fachkräfte in und für Berlin" fand in Kooperaton mit dem VBKI und der DKB statt.